Von Leipzig auf die Piazza der Glarner Landesbibliothek
von Swantje Kammerecker
Die deutsch-schweizerische Autorin und weiblicher Part des Kolumnisten-Ehepaars «Schreiber vs. Schneider» ist soeben von ihrer viel beachteten Lesung an der Leipziger Buchmesse zurück. Dort präsentierte sie ihren zweiten Kurzgeschichtenband «Safranhimmel», für den sie vom Aargauer Kuratorium mit dem Werkbeitrag Literatur ausgezeichnet wurde.
Im Glarnerland, wo Sybil Schreiber bereits mit ihrem Erstling «Sophie hat die Gruppe verlassen» eine Lesung mit guter Resonanz hatte, ist sie immer wieder sehr gerne zu Gast. Ihre Bühnenpräsenz – Sybil Schreiber besuchte vor ihrer Karriere als Journalistin und Autorin auch in New York die Schauspielschule – macht ihre Auftritte zu einem Erlebnis. Das feine Gespür, mit dem sie ihre Figuren und deren Lebenswelt erkundet, und ihre poetische wie direkte Sprache schaffen eine eindringliche Nähe, lassen mitlieben und mittrauern.
Geschichten spielen alle in einer Genossenschaft
Wenn sich wie in «Safranhimmel» der Wüstensand mit gelbem Flimmern über die Stadt legt, erscheinen die Protagonistinnen der Erzählungen wie unter einem Brennglas; eine Atmosphäre eigentümlich verdichteter Wahrnehmung entsteht. Die Geschichten spielen alle in einer Genossenschaftssiedlung und sind kunstvoll miteinander verwoben. Die Charaktere – skurril, zutiefst menschlich und immer wieder überraschend – leben miteinander und auch nebeneinanderher. Jede und jeder wird auf eigene Weise im Lazarett des Lebens landen, doch Hoffnung und Humor gehen nie verloren.