Als Fideris noch Wellness-Hotspot war: Einen Einblick in die Prättigauer Bädergeschichte
Von Marietta Kobald
Freiwillig würde sich heute niemand mehr einer ärztlich verschriebenen Badekur, wie sie im 17. und 18. Jahrhundert gang und gäbe war, unterziehen. Rosskuren waren das, im wahrsten Sinne des Wortes. Vorerst galt es aber, in die propagierte idyllische Abgeschiedenheit zu gelangen, und dazu mussten die Kurgäste eine sehr anstrengende Reise auf sich nehmen. Einmal angekommen, galt es, den Körper mittels Schröpfen und Herbeiführen von Durchfall zu reinigen. Danach begann die Badekur, bei welcher die Heilung Suchenden bis zu acht Stunden täglich und bei Grossandrang manchmal zu viert in den hölzernen Badekästen ausharren und dazu noch literweise Mineralwasser in sich hineinschütten mussten. Ob bei den dabei entstehenden Bedürfnissen jeweils das stille Örtchen aufgesucht wurde, ist fraglich.
Allein wegen des Gesundbrunnens wurden diese abgelegenen Orte nicht aufgesucht. Es galt auch, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, Liebschaften zu schliessen, zur Kurmusik zu tanzen, auf gepflegten Spazierwegen zu wandeln und nicht zuletzt sehr gut zu essen und zu trinken. Vom «Überfluss in Speiss und Tranck» riet der Arzt zwar ab, empfahl aber «weisses Brot, gesottenes Rindfleisch, gebratenes Kalb-, Gitzlin- und Lammfleisch, fricasierte Hühnlein, in Butter gebratenes Wildfleisch, Binetsch (Spinat), Mangold und Endiwien, dazu edlen Veltlinerwein».
Bad Serneus
Von den vier ehemals wichtigen Heilbädern im Tal – Seewis, Jenaz, Fideris und Serneus – ist einzig das letzte noch in Betrieb. Nachdem die Liegenschaft im Frühjahr 2005 bei einem Unwetter stark beschädigt wurde, musste das damalige Besitzerpaar Godelis und Laima Sigitas erst einmal die Ärmel hochkrempeln, Schutt aufräumen und sanieren. Seit Dezember 2006 ist das ehemals bekannte Heilbad saisonal wieder geöffnet.