Liebe Glarnerinnen und Glarner, wir müssen uns über den Geruch von Ziger unterhalten
Eine Spezialität aus der Heimat kann man sich nicht auslesen, man muss sie einfach gut finden. Darum trinken die Walliser ja immer noch Chasselas und die St. Galler haben das Gefühl, eine Bratwurst ohne Senf sei irgendwie besser. Das Schicksal hat uns Glarnerinnen und Glarner im Mittelfeld der Esswarenspezialitäten platziert: Wir können zwar kein Fondue oder Panettone bieten, immerhin aber die Glarner Pastete und die Kalberwurst. So weit, so gut.
Nun ist es aber so, dass unser Kanton im Rest der Schweiz weder Kalberwurst-Graben noch Pasteten-Täli heisst. Wir sind der Zigerschlitz. Weil halt wirklich nur noch bei uns der Glarner Schabziger hergestellt wird. Und weil der halt so unverwechselbar in Geschmack und Form ist, dass er uns Bekanntheit weit über die Schweiz hinaus beschert hat.
Während man die Kalberwurst (als Ignorant) auch als normale Bratwurst betrachten kann und die Glarner Pastete eine von Hunderten von Blätterteigsüssigkeiten ist, gibt es so etwas wie Ziger sonst nirgends. Wir Glarnerinnen und Glarner sind darum in aller Regel stolz auf unseren «Kräuterkäse».
Der Hass: Warme Zigerbrüüt am Apéro
Mein Lieblingszigermoment ist immer dann, wenn ich zusammen mit ausserkantonalen Gästen Ziger essen kann. Wenn ich fachmännisch die Zigerbrüüt koste und den Butteranteil als zu hoch einschätze. Ich kann dann die Zigerbrüüt-Macher verständnisvoll verteidigen: «Sie wissen wohl, dass viele Gäste von ausserhalb kommen und dann nicht so viel Ziger verleiden.» Oder wenn ich die Gäste in der Beiz bei den Zigerhöräli vorwarnen kann: «Das hat man gern oder nicht, wenn man nicht damit aufgewachsen ist.»
Ich mag Ziger, ich würde sogar fast von Liebe sprechen. Es gibt aber etwas, über das man im Glarnerland sehr ungern spricht: Ziger stinkt! Es ist eine meiner ältesten Kindheitserinnerungen, wie ich das Burgschulhaus in Glarus als Erstklässler verlasse und eine Wolke Zigergeruch aus der Ygruben mich voll erwischt. Es schüttelt mich noch heute, wenn ich an das Ekelgefühl in diesem Moment denke.