Treffpunkte wie Dorfläden fehlen, Schulen gehen zu: Ist das Dorfleben im Glarnerland am Aussterben?
Die Kinder gehen ab dem nächsten Schuljahr nicht mehr in Braunwald zur Schule, und der Dorfladen in Riedern schliesst im April. Arbeitsplätze verschwinden, wie zuletzt in der Wäscherei im Kantonsspital Glarus oder in der Seidendruckerei in Mitlödi.
Besonders emotional wurde im Vorfeld der Gemeindeversammlung in Glarus Süd diskutiert, bei der es um die Zukunft der Schule in Braunwald ging. «Eine Schule belebt das Dorf, zieht junge Familien an und fördert eine nachhaltige Entwicklung», schrieb zum Beispiel Thomas Gilgen im Vorfeld. Er ist selber Familienvater, wohnt in Braunwald und ist Mitglied der IG Zukunft Schulen Glarus Süd. Gilgens Argumente vermochten die Stimmberechtigten nicht umzustimmen.
«Entdörflichung des Dorfes»
Das Dorfleben gerät unter Druck. Auch der renommierte Politgeograf Michael Hermann beobachtet eine «Entdörflichung des Dorfes». Bei einem Vortrag im August sagte er: Menschen «ziehen nicht in eine Gemeinde, weil sie sich dort engagieren wollen oder Teil der Gemeinschaft sein möchten, sondern weil die Wohnung ideal gelegen ist.»
Diesen Vortrag hielt er an der Generalversammlung des Gemeindeverbands, wo Ständerat Mathias Zopfi zum Präsidenten, also zum obersten Dörfler der Schweiz, gewählt wurde. «Die Vereine, die Dorfmusik, das ist es, was die Dörfer nach wie vor ausmacht», wurde er von verschiedenen Zeitungen zitiert.