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Glarus

Trotz SRF-Dok-Film: Christliche Schule in Kaltbrunn bezahlt keine Steuern

Marco Häusler (mar)
16.02.2024, 15:49 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

«Dienet dem Herrn» oder lateinisch «Domino Servite» hiess die evangelikale Schule, als Jürg Läderach diese 1995 in Kaltbrunn gründete. Über die von ihm geleitete Evangelische Gemeinschaft Hof Oberkirch (EGHO) war sie bis 2019 eng mit der südafrikanischen Kwasizabantu-Mission verbunden. Um Domino Servite und die Mission Kwasizabantu Schweiz kursierten immer wieder Gerüchte, wonach in beiden Institutionen Kinder geschlagen und psychisch unter Druck gesetzt würden.

Das erhärtete sich, als im Sommer 2022 der Schlussbericht zu einer unabhängigen Untersuchung erschien, den die Nachfolgeorganisationen Christlichen Schule Linth (CSL) und die EGHO in Auftrag gegeben hatten. Darin war von «Grenzüberschreitungen und teilweise schweren Missbräuchen in religiöser, psychischer, körperlicher und sexueller Hinsicht» die Rede.

Im Herbst 2023 erzählten ehemalige Schülerinnen und Schüler in einem Dok-Film des Schweizer Fernsehens SRF dann, dass in der Kaltbrunner Schule von Ende der 1990er- bis Anfang der 2000er-Jahre ein Klima der Angst und des Missbrauchs geherrscht habe.

Firma leidet mit dem Ex-Patron

Im Dok-Film wurden auch gegen den einstigen EGHO-Leiter Jürg Läderach Vorwürfe erhoben. Er habe niemals Schülerinnen oder Schüler geschlagen oder misshandelt, erklärte er nach der Ausstrahlung. Das habe er auch in einer eidesstattlichen Erklärung auf einer Glarner Anwaltskanzlei festgehalten.

Auch wenn die Unschuldsvermutung gilt und sich Jürg Läderach schon Anfang 2022 aus der Läderach Schweiz AG zurückgezogen hatte, drohte auch dem Unternehmen ein Imageschaden.So beendete das Zurich Film Festival seine Partnerschaft mit Läderach Chocolatier Suisse,während die Organisatoren des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests (Esaf) 2025 in Mollis an der Firma als einen der Hauptsponsoren festhielt. Die Geschäftsführung der Läderach-Gruppe hatte der Sohn des einstigen Patrons, Johannes Läderach, bereits per 1. März 2018 übernommen.

Christliche Schule hat «öffentlichen Zweck»

Zu den Missbrauchsvorwürfen an der Kaltbrunner Schule nahm die St. Galler Staatsanwaltschaft das Verfahren wieder auf, das sie 2022 sistiert hatte. Trotz dieser laufenden Untersuchung ist die CSL steuerbefreit, wie die Konsumenten- und Beratungszeitschrift «Beobachter» jetzt berichtet. Keine Steuern bezahlen zu müssen, sei ein Privileg, «das gewöhnlich gemeinnützigen Institutionen vorbehalten ist», heisst es weiter.

«

Die Erneuerung der Schule in Zweifel zu ziehen, heisst, die heutige Generation in Sippenhaft zu nehmen.»

Mediensprecher, der Christlichen Schule Linth

Bei den Volksschulen gehe es weniger um Gemeinnützigkeit «als vielmehr um eine öffentliche Zweckverfolgung», rechtfertige man sich beim zuständigen Steueramt. Im Übrigen würden die Institutionen periodisch auf deren Steuerbefreiung überprüft.

Wie «aus dunklen Zeiten»

Zitiert wird im «Beobachter» auch ein CSL-Mediensprecher. Laut ihm bestehe kein direkter Zusammenhang zwischen den Vorwürfen zur Vergangenheit und der Gemeinnützigkeit: «Die mutmasslichen Straftaten einzelner Lehr- oder Betreuungspersonen können nicht mit dem gemeinnützigen Zweck, den eine Schule als Ganzes erfüllt, in Verbindung gebracht werden.»

Scharf reagiert habe man bei der CSL auf Fragen, warum ihre Schulleiterin nicht auf der Website aufgeführt werde. Sie ist laut einem Artikel im «St. Galler Tagblatt» eine Tochter von Jürg und Esther Läderach. Als CSL-Stellungnahme steht im «Beobachter»: «Die Erneuerung der EGHO und der Schule in Zweifel zu ziehen, weil diese teilweise von Kindern ehemaliger Verantwortlicher durchgeführt wird, heisst, der heutigen Generation eine eigene unabhängige Überzeugung abzusprechen und sie in Sippenhaft zu nehmen.» Das sei «ein Prinzip, das wir aus dunklen Zeiten der Geschichte kennen».

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