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Wirtschaft

Die Papierfabrik Landqart gehört jetzt der Nationalbank

Damit die Ausgabe von neuen Banknoten nicht gefährdet ist, kauft die Schweizerische Nationalbank die Papierfabrik Landqart. Denn nur die Landqart produziert das Sicherheitspapier für die Noten.
Ursina Straub (us)
22.12.2017, 08:00 Uhr
19.05.2026, 12:10 Uhr

Die neuen Banknoten werden auf dem Sicherheitspapier Durasafe gedruckt. Und die Papier-fabrik Landqart ist das einzige Unternehmen, welches dieses Banknotensubstrat produziert. Doch die Landqart ist im Oktober in einen Liquiditätsengpass geraten. Deshalb hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Mittwoch 90 Prozent der Aktien der Landqart AG übernommen. Das gab Nationalbank-Präsident Thomas Jordan gestern an einer Medienorientierung in Zürich bekannt.

Die restlichen zehn Prozent des Aktienkapitals gehen an die Orell Füssli Holding. Die auf Sicherheitsdruck, Industrieanlagen und Buchhandel ausgerichtete Firma bedruckt die Noten und stattet sie mit zahlreichen Sicherheitsmerkmalen aus.

Die Nationalbank entschied sich für die Übernahme, weil der Landqart sonst der Zusammenbruch gedroht hätte. Die Herausgabe von neuen Banknoten wäre somit gefährdet gewesen. «Das wollte die Nationalbank nicht riskieren», so Jordan.

Ein Grosskunde hatte im Oktober kurzfristig seinen Auftrag storniert. Dadurch musste die Papierfabrik eine Einbusse von 16 Prozent des geplanten Umsatzes einstecken. Für das nächste Jahr wurde gar mit einer Einbusse von 30 Prozent gerechnet. Aus eigener Kraft hätte die Landqart die Krise nicht bewältigen können, führte Nationalbankpräsident Jordan aus.

Noch nicht überm Berg

Durch die Übernahme ist die Landqart aber noch nicht über den Berg. «Aufgrund der Liquiditätssituation werden Restrukturierungsmassnahmen in die Wege geleitet», so Jordan. Zudem müsse die Kurzarbeit, die seit Dezember für einen Teil der Belegschaft gelte, weitergeführt werden. Eine Analyse werde zeigen, ob weitere Massnahmen notwendig seien.

Der Kaufpreis für die Landqart beträgt 21,5 Millionen Franken. Der Anteil der Nationalbank beläuft sich auf 19,35 Millionen Franken. Verkäuferin ist eine Tochtergesellschaft der kanadischen Firma Fortress Papers. Sie hatte die Landqart 2006 erworben.

Stabilere Situation

Axel Wappler, Geschäftsführer der Landqart AG, findet es erfreulich, dass die Nationalbank eingesprungen ist. So könne das Sicherheits-Banknotensubstrat Durasafe weiterhin produziert werden. Das Aktionariat der Nationalbank werde wohl eher als Weihnachtsgeschenk für die Mitarbeiter betrachtet. «Auf alle Fälle gelangen wir damit in eine stabilere Situation», so Wappler. Es sei gerade jetzt – wo ein Teil der Mitarbeitenden Kurzarbeit leiste – wichtig, dass die Landqart etwas habe, worauf sie aufbauen könne.

«

Ich stelle mich darauf ein, dass es gewisse Korrekturen gibt.»

Weichen sind gestellt

Für Sepp Föhn, Gemeindepräsident von Landquart, kehrt mit der Übernahme «eine gewisse Ruhe ein». Wie es weitergehe, wisse man zwar noch nicht. «Aber die Weichen sind jetzt gestellt.» Föhn befürchtet allerdings, dass die Nationalbank auch Massnahmen durchsetzen werde. «Ich stelle mich darauf ein, dass es gewisse Korrekturen gibt», so Föhn. Die Einführung der Kurzarbeit habe manche Unsicherheit ausgelöst. «Mit der Übernahme beruhigt sich nun die Situation.»

Ohne Aufträge weiter Kurzarbeit

«Sehr erfreulich» ist für Regierungsrat Jon Domenic Parolini die Übernahme. Der Volkswirtschaftsminister gibt aber zu bedenken, dass die Kurzarbeit andauern werde, solange nicht weitere Grossaufträge die Auslastung des Betriebs erhöhten.

Für die Region Landquart und den Kanton sei die Papierfabrik mit rund 260 Mitarbeitenden und einem Umsatz von über 100 Millionen Franken ein wichtiger Arbeitgeber, unterstrich Parolini.

Kaum Auskunft geben mochten gestern Mittag Angestellte der Papierfabrik. «Kein Kommentar», meinten die meisten und winkten ab. «Ich finds einfach gut!», bemerkte immerhin eine Mitarbeiterin. Und es klang erleichtert.

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