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Gemeinden als Tourismusunternehmen – mit entsprechenden Risiken

Gemeinden als Tourismusunternehmen – mit entsprechenden Risiken

Qualitativ hochstehende Tourismusinfrastrukturen sind für die touristische Entwicklung essenziell, allerdings auch teuer, sodass die Gemeinden in die Bresche springen müssen.  Dies birgt finanzielle Risiken. Ein neuer Leitfaden für Gemeinden der HTW Chur stellt dazu Ansätze und Instrumente vor.

Südostschweiz
vor 2 Jahren in
Wirtschaft
HTW
Die HTW Chur will die Gemeinden bei ihrer Arbeit im Tourismus unterstützen.
YANIK BÜRKLI

Tourismusinfrastrukturen sind gemäss einer Mitteilung der HTW Chur teuer und oft nicht rentabel. Dies aufgrund immer kürzeren Lebenszyklen sowie hohen Unterhaltskosten von Gebäuden und Anlagen. Es wird deshalb besonders in saisonalen ländlichen Ferienregionen immer schwieriger, die Infrastrukturen alleine mit privaten Mitteln zu finanzieren. Weil zeitgemässe Infrastrukturen aber für die touristische Entwicklung essenziell sind, springt oft die öffentliche Hand ein. Besonders Gemeinden fühlen sich für die wirtschaftliche Entwicklung und den Tourismus mitverantwortlich. Schweizweit ist zu beobachten, dass sie sich finanziell engagieren, sei es bei lokalen Bergbahnen, bei Hotels, Feizeitparks oder Kongresszentren. Dies führt zu hohen finanziellen Engagements was beträchtliche finanzielle Mittel bindet und nicht immer zu den erhofften Ergebnissen führt.

Eine aktuelle Untersuchung der HTW Chur kommt zum Schluss, dass die finanziellen Engagements alleine bei den 25 grössten Tourismusgemeinden des Kantons Graubünden einen Buchwert von über 320 Millionen Franken aufweisen. Der effektiv getätigte Finanzzufluss dürfte ein Mehrfaches davon betragen. Ausserdem gewähren die Gemeinden jährlich 38 Millionen Franken Zuschüsse an touristische Infrastrukturen. Damit werden sie zu eigentlichen Tourismusunternehmen.

Beteiligungsmanagement oft unsystematisch

Ungeachtet des hohen Engagements ist das touristische Beteiligungsmanagement der Gemeinden in der Praxis laut HTW teilweise unsystematisch und weist Defizite auf. Die Finanzierungsentscheide sind vielfach zu wenig mit regionalen Tourismusstrategien oder einem Masterplan verknüpft. Auch die grundsätzliche Frage nach der Rolle der Gemeinde wird eher am Rande diskutiert. Grossmehrheitlich verfügen die Gemeinden somit über kein tourismusspezifisches Beteiligungskonzept, das ihnen als Richtlinie für Investitionsentscheide in touristische Infrastrukturen und bei der Bewirtschaftung der Engagements dienen könnte, und es fehlt häufig an personellen Ressourcen, geeigneten Führungsinstrumenten und Wissen.

Neues Tool und 14 Handlungsempfehlungen

Hier setzt die Fachhochschule aus Graubünden mit einem Leitfaden für Gemeinden an. Dadurch werden diese unterstützt, um nachhaltige und langfristig sinnvolle Finanzierungsentscheide zu treffen. Dazu gehört einerseits der sogenannte «InfraCheck» mit zwölf Kriterien und über 20 Fragen, die alle wichtigen Aspekte im Finanzierungsentscheid abdecken. Andererseits werden zahlreiche Vorlagen, Beispiele, Tipps und Checklisten zum Aufbau und zur Umsetzung eines geeigneten Beteiligungsmanagements angeboten. Darüber hinaus geben 14 Handlungsempfehlungen konkrete Orientierungshilfe. (kup)

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