Bündner Hotellerie kämpft sich aus der Talsohle
Nach zuletzt schwierigen Jahren im Zeichen der Euroschwäche hat der Bündner Tourismus das Schlimmste offenbar überstanden. Die Übernachtungszahlen zeigen seit Anfang Jahr nur noch in eine Richtung: nach oben. Auch im August konnten die Bündner Hotel- und Kurbetriebe zulegen: und zwar um 3,5 Prozent auf rund 555 000 Logiernächte. Dies zeigen die gestern veröffentlichten Zahlen des Bundesamts für Statistik. Die grössten Zuwächse unter den einzelnen Destinationen verzeichneten dabei Flims Laax (+18 Prozent), Chur (+16,4 Prozent), San Bernardino, Mesolcina/Calanca (plus elf Prozent) sowie Davos/Klosters (plus neun Prozent).
Mehr als ein Strohfeuer
Dass es sich bei den August-Zahlen nicht um ein Strohfeuer, sondern um eine klare Trendwende handelt, hatte Jürg Schmid, der abtretende Direktor von Schweiz Tourismus, bereits im Interview mit der «Südostschweiz» klargestellt. «Wir haben die Talsohle erreicht und wir werden in den nächsten Saisons Wachstum sehen», sagte Schmid, der im Sommer zum neuen Präsidenten von Graubünden Ferien gewählt wurde. Allerdings bleibe die politische und wirtschaftliche Lage für den Schweizer Tourismus herausfordernd, und der Markt in Deutschland habe noch nicht voll gedreht.
Auch die Hotelleriezahlen von Januar bis August untermauern diese Aussage. Hier liegt die Bündner Hotellerie mit rund 3,6 Millionen Übernachtungen gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent im Plus. Euphorie bricht deswegen in der Branche aber keine aus, liegt man damit doch weiter 2,3 Prozent unter dem Mittel der letzten fünf Jahre. Am stärksten zulegen konnten seit Anfang Jahr Chur (+12,1 Prozent), die Bündner Herrschaft (+8,9 Prozent), Flims Laax (+7,1 Prozent) sowie Lenzerheide (+6,6 Prozent). Auf der Verliererseite steht unter anderem Valposchiavo (–9,1 Prozent), wo die Übernachtungen im August um 20,6 Prozent zurückgingen.
Schwung durch Frankenschwäche
Auch auf nationaler Ebene geht es mit dem Tourismus aufwärts. Dank des schönen Wetters konnte die Hotellerie die Übernachtungen in den Sommermonaten Juni bis August um sechs Prozent auf rund zwölf Millionen steigern. Die Branche habe vor allem von einer Zunahme bei den US-Gästen profitiert, sagte Schweiz-Tourismus-Sprecher André Aschwanden der Nachrichtenagentur SDA. Erfreulich sei aber auch die Entwicklung bei den Gästen aus Deutschland. Unter anderem dank der Abschwächung des Frankens habe sich die zuletzt lange rückläufige Tendenz bei der wichtigsten ausländischen Gästegruppe stabilisiert. Aschwanden ist optimistisch, dass die Abschwächung des Frankens zum Euro dem Schweizer Tourismus in den kommenden Monaten weiteren Schub verleihen wird.