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Sportradar

«Du hast zwei Töchter»: Tennis-Legende richtet deutliche Worte an Roger Federer

Tennis-Legende Billie Jean King wünscht sich von Roger Federer mehr Einsatz für Gleichberechtigung. Doch der Schweizer hat sich zu diesem Thema bereits klar positioniert.
Nikola Brankovic

Die Aufnahme in die International Tennis Hall of Fame sollte eigentlich ganz im Zeichen von Roger Federers aussergewöhnlicher Karriere stehen. Doch wenige Tage nach den Feierlichkeiten in Newport sorgen deutliche Worte von Tennis-Legende Billie Jean King für Diskussionen.

Billie Jean King wünscht sich mehr Einsatz von Federer

King gehört zu den prägendsten Persönlichkeiten im Kampf für die Gleichberechtigung im professionellen Tennis. Nun nimmt sie ausgerechnet Roger Federer in die Pflicht.

«Ich wünschte, er würde sich stärker für Gleichberechtigung einsetzen», sagte die ehemalige Weltranglistenerste im Umfeld der Feierlichkeiten in Newport. Dabei brachte King auch Federers Familie ins Spiel.

Immer wieder erinnere sie den Schweizer daran, dass er zwei Söhne und zwei Töchter habe. In seinem Haushalt herrsche damit zwischen Männern und Frauen ein Verhältnis von 3:3, argumentierte die Amerikanerin.

Hinter Kings Kritik steckt eine grundsätzliche Forderung: Federer hätte seine enorme Bekanntheit und seinen Einfluss im Welttennis ihrer Ansicht nach noch stärker nutzen können, um sich für Gleichstellung einzusetzen.

Billie Jean King kämpft seit Jahrzehnten für gleiche Preisgelder

Dass ausgerechnet King dieses Thema anspricht, ist kein Zufall. Die 39-fache Grand-Slam-Siegerin im Einzel, Doppel und Mixed gehörte zu den wichtigsten Wegbereiterinnen des professionellen Frauentennis.

Anfang der 1970er-Jahre kämpfte sie gemeinsam mit anderen Spielerinnen gegen die erheblichen Unterschiede bei den Preisgeldern. King gehörte zu den Gründerinnen der Women's Tennis Association (WTA) und setzte sich dafür ein, dass Frauen im professionellen Tennis finanziell gleichgestellt werden.

1973 wurden die US Open schliesslich zum ersten Grand-Slam-Turnier, bei dem Frauen und Männer dasselbe Preisgeld erhielten. Mittlerweile gilt dies bei allen vier Grand-Slam-Turnieren.

Das Thema beschäftigt den Tennissport trotzdem weiterhin. Abseits der vier grössten Turniere bestanden über viele Jahre Unterschiede zwischen den Preisgeldern der ATP- und WTA-Tour.

Doch Federer sprach sich bereits für gleiche Preisgelder aus

Kings Kritik zeichnet allerdings nicht das vollständige Bild von Federers Position. Bereits 2016 stellte sich Roger öffentlich hinter gleiche Preisgelder für Frauen und Männer. Während einer damaligen Debatte im Welttennis machte Federer seine Haltung deutlich: Er sei für gleiche Preisgelder.

Damit stellte sich Federer gegen Stimmen im Männertennis, die zu dieser Zeit höhere Preisgelder für Männer verteidigten.

Auch später beschäftigte ihn die Entwicklung des gesamten Profitennis. Federer setzte sich während seiner aktiven Karriere unter anderem für bessere Bedingungen und höhere Preisgelder für Spielerinnen und Spieler ein, die nicht zur absoluten Weltspitze gehörten.

Kings Kritik richtet sich daher weniger gegen eine ablehnende Haltung Federers zur Gleichberechtigung. Vielmehr scheint sie von einem der berühmtesten Sportler seiner Generation noch mehr öffentlichen Druck und Engagement erwartet zu haben.

Federer will dem Tennis auch nach seiner Karriere etwas zurückgeben

Ganz verabschiedet hat sich Federer vom Tennissport ohnehin nicht. Bei seiner Aufnahme in die Hall of Fame machte der inzwischen 45-Jährige deutlich, dass er sich auch nach dem Ende seiner aktiven Karriere weiterhin einbringen möchte.

Dabei sprach Federer unter anderem über die Entwicklung der Preisgelder in den frühen Turnierrunden und bessere Bedingungen für Menschen im Tennissport. Auch Tätigkeiten als Mentor, Kommentator oder eines Tages als Captain beim Laver Cup kann er sich grundsätzlich vorstellen.

Ob Federer künftig auch bei gesellschaftlichen Themen eine öffentlichere Rolle einnehmen wird, bleibt offen. Billie Jean King hat jedenfalls deutlich gemacht, was sie sich von ihm wünschen würde.

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