Ballon d'Or 2026: Plötzlich spricht vieles für Harry Kane | Südostschweiz
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Ballon d'Or 2026: Plötzlich spricht vieles für Harry Kane
Wer gewinnt den Ballon d'Or 2026? Nach der WM ist das Rennen um den Goldenen Ball völlig offen. Harry Kane gehört zu den grossen Favoriten – doch gleich mehrere Stars können ihm gefährlich werden.
Wer ist der beste Fussballer der Welt? Am 26. Oktober wird diese Frage beantwortet. Dann wird der Ballon d'Or zum 70. Mal vergeben – erstmals findet die Zeremonie in London statt. Die 30 Nominierten stehen bereits fest. Und anders als in einigen vergangenen Jahren gibt es diesmal keinen Kandidaten, an dem scheinbar kein Weg vorbeiführt.
Harry Kane: 73 Tore und endlich grosse Titel
Jahrelang wurde bei Kane vor allem über eine Sache gesprochen: seine fehlenden Titel. Dieses Argument hat sich inzwischen erledigt. Mit Bayern München sammelte der Engländer in der vergangenen Saison Titel und war dabei vor allem eines: eine Tormaschine. Über Klub und Nationalmannschaft hinweg kommt Kane auf 73 Treffer.
Auch bei der Weltmeisterschaft schaffte es England bis ins Halbfinale und holte am Ende Platz drei.
Genau diese Mischung macht Kane zu einem der aussichtsreichsten Kandidaten: enorme individuelle Zahlen, Titel mit Bayern und ein tiefes WM-Turnier.
Gegen ihn spricht allerdings, dass die ganz grossen internationalen Triumphe fehlen. Bayern gewann nicht die Champions League, England nicht die Weltmeisterschaft. Zudem war Kane nicht der einzige überragende Spieler der Münchner Saison. Trotzdem führen ihn mehrere internationale Rankings inzwischen ganz vorne.
Lamine Yamal: Weltmeister mit 19 Jahren
Wenn Titel besonders schwer gewichtet werden, führt kaum ein Weg an Lamine Yamal vorbei. Der Barcelona-Star gewann mit Spanien die Weltmeisterschaft und mit seinem Klub La Liga. Dazu kommen 25 Tore und 20 Vorlagen sowie die Auszeichnung als bester Spieler der spanischen Liga.
Mit gerade einmal 19 Jahren könnte Yamal damit Geschichte schreiben. Allerdings besitzt seine Kandidatur einen Haken: Ausgerechnet bei der Weltmeisterschaft war der Flügelspieler individuell nicht so dominant wie während der Klub-Saison.
Spanien wurde Weltmeister, doch Yamal war nicht der alles überragende Spieler des Turniers. Das könnte im direkten Vergleich mit anderen Kandidaten Stimmen kosten.
Kylian Mbappé: Überragende Zahlen, aber keine grosse Trophäe
Bei Kylian Mbappé stellt sich beinahe die umgekehrte Frage. Reichen individuelle Leistungen für den Ballon d'Or, wenn die grossen Titel fehlen?
Der Franzose erzielte 58 Tore und bereitete weitere Treffer vor. Zudem wurde er Torschützenkönig bei der Weltmeisterschaft, in La Liga und in der Champions League. Eine aussergewöhnliche individuelle Saison.
Doch Real Madrid blieb ohne den erhofften grossen Titel. Auch mit Frankreich verpasste Mbappé den WM-Triumph.
Genau das könnte ihm zum Verhängnis werden. Denn während Mbappé persönliche Bestmarken aufstellte, gewannen einige seiner Konkurrenten Champions League oder Weltmeisterschaft.
Ousmane Dembélé: Kann er seinen Ballon d'Or verteidigen?
Ousmane Dembélé weiss bereits, wie es sich anfühlt, den Goldenen Ball in den Händen zu halten. 2025 wurde der Franzose mit dem Ballon d'Or ausgezeichnet. Auch ein Jahr später besitzt er Argumente für eine erfolgreiche Titelverteidigung.
Mit Paris Saint-Germain gewann Dembélé erneut die Champions League und die französische Meisterschaft. Dazu kommen 26 Tore und 14 Vorlagen.
Allerdings war sein Einfluss nicht mehr ganz so aussergewöhnlich wie in seiner Ballon-d'Or-Saison zuvor. Bei der WM blieb Frankreich zudem ohne Titel.
Dembélé gehört damit erneut zum Kreis der Kandidaten, geht diesmal aber nicht als klarer Mann des Jahres ins Rennen.
Khvicha Kvaratskhelia: Der Champions-League-Faktor
Einen anderen PSG-Star sollte man ebenfalls nicht unterschätzen: Khvicha Kvaratskhelia.
Der Georgier gewann mit Paris die Champions League und Ligue 1 und kommt auf 24 Tore sowie zehn Vorlagen. Besonders seine Leistungen in der Königsklasse bringen ihn ins Gespräch um den Ballon d'Or.
Sein Nachteil liegt auf der Hand: Georgien war bei der Weltmeisterschaft nicht dabei.
In einem WM-Jahr fehlt Kvaratskhelia damit die grösste internationale Bühne. Zudem verteilt sich die Aufmerksamkeit bei PSG auf mehrere Weltstars.
Michael Olise: Bayerns vielleicht komplettester Kandidat
Auch Michael Olise hat sich mit seiner Saison in die Weltspitze gespielt.
Der Bayern-Star sammelte 27 Tore und 35 Vorlagen, gewann mehrere Titel und wurde als bester Spieler der Bundesliga ausgezeichnet. Auch bei der Weltmeisterschaft machte er mit Frankreich auf sich aufmerksam und bereitete sieben Treffer vor.
Seine Zahlen zeigen, dass Olise längst weit mehr als nur Vorbereiter ist.
Für einen Ballon-d'Or-Sieg könnte ihm allerdings der eine grosse Moment fehlen. Bayern verpasste den Triumph in der Champions League, Frankreich wurde nicht Weltmeister, und bei den Münchnern steht mit Kane ein weiterer Kandidat im Rampenlicht.
Fabian Ruiz: Mehr Titel gehen beinahe nicht
Wenn allein die Trophäensammlung entscheiden würde, müsste Fabian Ruiz weit oben stehen. Der Spanier verbindet die grössten Erfolge auf Klub- und Nationalmannschaftsebene: Champions-League-Sieger mit PSG und Weltmeister mit Spanien.
Seine Kandidatur zeigt allerdings auch das grundsätzliche Problem bei der Wahl.
Ruiz kommt nicht annähernd an die Offensivzahlen von Kane, Mbappé oder Yamal heran. Mit drei Toren und sechs Vorlagen war er zudem weder bei PSG noch bei Spanien der alles überstrahlende Star.
Seine Titelbilanz ist spektakulär. Für den Ballon d'Or dürfte das allein aber kaum reichen.
Lionel Messi: Gibt es tatsächlich noch einen neunten Ballon d'Or?
Und dann wäre da noch Lionel Messi. Eigentlich schien die Zeit des Argentiniers im Rennen um den Ballon d'Or vorbei zu sein. Doch mit 39 Jahren hat sich der achtmalige Gewinner noch einmal in die Diskussion gespielt.
Messi kommt auf 45 Tore und 30 Vorlagen und führte Argentinien bis ins Finale der Weltmeisterschaft. Gerade bei der WM zeigte der mittlerweile in der MLS spielende Superstar noch einmal, dass er auch auf der grössten Bühne den Unterschied machen kann.
Gegen ihn spricht vor allem sein Klubfussball. Während Kane, Yamal, Mbappé und die PSG-Stars Woche für Woche auf höchstem europäischen Niveau spielten, ist Messi mittlerweile ausserhalb Europas aktiv.
Hinzu kommt das verlorene WM-Finale. Hätte Argentinien den Titel verteidigt, wäre eine spektakuläre Diskussion um Messis neunten Ballon d'Or wohl kaum zu vermeiden gewesen.
So bleibt er ein Aussenseiter – allerdings einer mit aussergewöhnlichen Zahlen und einer herausragenden Weltmeisterschaft.
Wer gewinnt den Ballon d'Or 2026?
Einen eindeutigen Favoriten gibt es wenige Wochen vor der Vergabe nicht.
Harry Kane besitzt die vielleicht stärkste Mischung aus individuellen Zahlen und Titeln. Lamine Yamal kann dagegen mit Weltmeisterschaft und Meistertitel die bedeutenderen Trophäen vorweisen.
Mbappé liefert die spektakulären persönlichen Zahlen, bezahlt aber für die fehlenden Titel. Dembélé und Kvaratskhelia besitzen wiederum das wohl stärkste Argument im Klubfussball: den Gewinn der Champions League.
Und dann sind da noch Olise, Fabian Ruiz und sogar Messi.
Am 26. Oktober fällt in London die Entscheidung. Bis dahin dürfte vor allem eine Frage diskutiert werden: Wie stark gewichten die Wahlberechtigten die Weltmeisterschaft – und wie viel zählen Kanes 73 Tore?