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Schweiz & Welt

(Zu) früher Saisonstart lohnt sich für viele Skigebiete nicht

Südostschweiz
08.11.2019, 04:30 Uhr
19.05.2026, 12:10 Uhr

Je früher ein Skigebiet die Wintersaison eröffnen kann und je länger sie damit dauert, umso besser fürs Geschäft. Das würde man auf den ersten Blick wohl für völlig logisch halten. So einfach ist das aber gar nicht. Da gibt es zum einen topografische, klimatische und wetterbedingte Faktoren, die es einem Skigebiet einfacher oder schwieriger machen, die Ski-Saison zu eröffnen. So weit so klar: höher gelegen heisst im Idealfall vielleicht sogar Gletscherpisten oder zumindest früher im Herbst schon Temperaturen unter Null Grad Celsius und Schneefall. Aber selbst wenn man diesen Vorteil auf seiner Seite weiss, lohnt es sich nicht automatisch die Lifte zum frühest möglichen Zeitpunkt laufen zu lassen, erklärt Tourismusexperte Roland Zegg, Geschäftsführer der Beratungsfirma Grischconsulta im Gespräch mit RSO-Reporterin Seraina Zinsli.

«Ein früher Saisonstart lohnt sich nur, wenn man ihn entsprechend weit im Voraus plant und kommuniziert. Und das ist mit Kosten verbunden, die nicht zu unterschätzen sind», sagt Zegg. So koste allein der Betrieb der Bahnen mit Personalkosten und allem drumherum einige Zehntausend Franken pro Tag, wenn dann die Nachfrage gar nicht da sei, sprich die Leute wegblieben, lohne sich das natürlich nicht. Umgekehrt sei ein früher Saisonstart aber auch eine kommunikative Chance. «Der erste zu sein, bei dem man auf die Piste kann, bietet die Möglichkeit aktiv zu kommunizieren und kann zum eigenen Vorteil genutzt werden», sagt Zegg dazu.

Früher Start birgt Risiken

Um den Saisonstart früh anzusetzen müsse man spästens im Mai mit der Planung beginnen. Um das dann kommunikativ richtig zu nutzen, müsste man den Start auch gleich als Event inszenieren, ist Zegg sicher. Nur so könne man vom ersten Wochenende an genügend Leute auf die Piste bringen. Aber selbst wenn man bis dahin alles richtig macht, kann der Versuch schief gehen. Der Schnee kann doch ausbleiben, es kann zu lange zu warm sein und man muss den Start deswegen verschieben. Oder die Nachfrage bleibt tief. «Die Bedingungen im Gebiet können gut sein, die Besucher aus dem Flachland kommen aber trotzdem nicht, weil dort das Wetter noch zu warm und herbstlich ist. Da ist den Leuten gar noch nicht bewusst, dass man auf die Piste könnte und man macht lieber noch anderes», weiss Zegg. Fällt im Unterland aber Schnee, könne die Nachfrage praktisch über Nacht aber auch explodieren.

Was wiederum für einen möglichst frühen Saisonstart spricht, ist laut Zegg, dass die Stammkunden grundsätzlich auf den Winter und die Ski-Saison warten und sich darauf freuen. Für sie gilt: Wenn der erste Skitag früher kommt, umso besser. Wenn dagegen im Frühling die Bedingungen länger gut sind und man die Saison problemlos verlängern könnte, seien die Leute oft gedanklich längst im Frühling angekommen und nicht mehr an einem zusätzlichen Tag auf der Piste interessiert, so Zegg.

Generell sind die Bündner Skigebiete in Sachen Saisonstart eher zurückhaltend. Nur wenige Gebiete, die Gletscherpisten betreiben, öffnen diese spezifischen Pisten schon mal Ende Oktober. «Dort lohnt es sich, weil man mit einer hohen Wahrscheinlichkeit den Betrieb gewährleisten kann und das Risiko, dass man den Saisonstart verschieben muss, ist kleiner», eklärt Zegg. Tiefer gelegene und kleinere Gebiete eröffnen die Saison meistens erst Anfang Dezember. (ofi)

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