Wenn eine Scheidung viel mehr ist als eine Trennung
Im Jahr 2018 gab es im Kanton Graubünden 341 Scheidungen. Dass der Bund der Ehe aufgelöst wird, ist keine Seltenheit. So auch in der Landwirtschaft. Wenn sich aber ein Bauern-Ehepaar scheiden lässt, hat das oftmals gravierende Auswirkungen.
Wie Christine Burren, Agronomin, meint, sind in kaum einer anderen Berufsgattung Privat- und Berufsleben so stark miteinander verbunden. «Der Landwirtschaftsbetrieb bietet einer ganzen Familie Arbeit, Lebensgrundlage, Wohnen und Freizeit. Bei einer Scheidung in der Landwirtschaft wird nicht nur die eheliche Gemeinschaft aufgelöst, sondern ein ganzes System bricht auseinander.»
Auch Thomas Roffler, Bauernpräsident Graubünden, ist sich des Problems bewusst. «Es ist eine komplexe Situation, wenn eine Bauernhof-Familie auseinanderbricht. Der Betrieb ist der Ort, wo das Familieneinkommen erwirtschaftet wird.» Oft seien auch Kinder betroffen.
Hilfe über Hotline
Man höre auch viele Unwahrheiten zu diesem Thema, meint Burren. Darum habe sie sich intensiver mit der Thematik beschäftigt. Mit ihrer Masterarbeit wollte sie Klarheit schaffen und Informationen für Betroffene bieten.
Schliesslich wurde seitens Ihrer Fachhochschule der Entscheid getroffen, für einen Tag eine Scheidungshotline für Bäuerinnen und Bauern einzurichten. «Mit diesem Angebot möchten wir Bäuerinnen und Bauern die Möglichkeit geben, sich unverbindlich und kostenlos über das Thema Scheidung bei einer Fachperson informieren zu lassen», erzählt Burren.
Auch in Graubünden gibt es eine Hotline für betroffene Leute. Wie Thomas Roffler erklärt, gibt es dieses Angebot seit ein paar Jahren. Fachleute ständen zur Verfügung und böten professionelle Hilfe an. Dabei könnten Fragen aus verschiedenen Bereichen geklärt werden. «Es können Wege angeboten werden, mit der Situation umzugehen.» Schlussendlich soll eine Situation bestehen, aus der alle Beteiligten gut rauskommen.