Welche Bedeutung hat die Bündner Landwirtschaft noch?
Wirtschaftlich gesehen spielt die Schweizer Landwirtschaft keine grosse Rolle. Wie der Schweizer Bauernverband in einem Bericht festhält, erwirtschaftet sie nur 0,6 Prozent des Bruttoinlandproduktes.
Man müsse den Wert und die Bedeutung der Landwirtschaft aber nicht nur an wirtschaftlichen Faktoren messen, sondern auch an den Investitionen, die sie in ländlichen Gebieten tätigt oder an deren Besiedlung, meint der Präsident des Bündner Bauernverbandes, Thomas Roffler. «Vor allem aber auch an den Arbeitsplätzen, die durch die Landwirtschaft im ländlichen Raum entstehen.»
Das Bruttoinlandprodukt sei eine Zahl, die nicht die ganze Schweiz widerspiegle, meint Roffler. Die Wirtschaftsleistungen werden in den grossen urbanen Zentren erzielt, aber rund 20 Prozent der Schweizer Bevölkerung lebt in ländlichen Verhältnissen – und in Graubünden ist diese Prozentzahl deutlich höher. «Die Landwirtschaft investiert in den ländlichen Raum und das kommt diesen Menschen stark zugute», ist sich Roffler sicher.
Das bringt die Bündner Landwirtschaft
Das seien Investitionen wie Bautätigkeiten, die Erschliessung von abgelegenen Gebieten und die Sanierung von Alpen, so Roffler weiter. «Das schafft wiederum Einkommens- und Verdienstmöglichkeiten», sagt er. Ausserdem produziere die Bündner Landwirtschaft viele regionale Produkte, die geschätzt würden. Mit der Pflege der Alpen und der ländlichen Gebiete lege sie zudem den Boden für einen erfolgreichen Tourismus. «Genau dort, wo die Bündner Bauern im Sommer die Alpen mit über 100'000 Stück Vieh bewirtschaften und sie damit offenhalten, sind jetzt Skifahrer unterwegs», sagt der Präsident des Bündner Bauernverbandes.
Sowieso könne der ländliche Raum der Schweiz in Zukunft nur dann erhalten werden, wenn dort auch Landwirtschaft betrieben werde, so Roffler. Diesbezüglich müsse man das Bewusstsein der urbanen Bevölkerung steigern, die gerade diese Orte als Naherholungsgebiet nutze.