Urs Marti, der Churer mit dem gelb-blauen Herzen
Rekordmeister Davos ist das Feindbild manch eines Churers mit einer Affinität zum schnellsten Mannschaftssport. Nicht so für Urs Marti. Der Churer Stadtpräsident steht zu seiner gelb-blauen Liebe. Auch in dieser sportlich schwierigen Saison. Und wie so oft hat Marti auch die 1:5-Niederlage am Dienstagabend gegen Zug im Liveticker und später im Teletext verfolgt.
«Ich bin seit jungen Jahren auch als Churer Fan des EHC Arosa geworden. Es war eine blau-gelbe Faszination», erzählt Marti. In den 1980er-Jahren war er als Finanzchef des geplanten, aber nie umgesetzten HC Arosa-Chur vorgesehen.
Es begann mit dem Abstieg
«Ich erinnere mich gerne an Spiele zwischen Arosa und dem späteren Meister Biel. An Spieler wie Lindemann, Neininger, Sturzenegger oder Dekumbis», gerät Marti ins Schwärmen. Damals stand Davos sportlich noch hinter Arosa zurück.
Als dann aber Arosa und auch Chur in tiefere Ligen abstiegen, begann Marti, den HC Davos zu verfolgen. Das Gelb-Blaue und die Bündner Mannschaft blieben, aber der Ort verschob sich, so Marti.
Bis heute sei der HC Davos ein wichtiger Botschafter für Graubünden, nicht nur im Eishockey, auch im restlichen Wintersport. «Der HCD zeigt, dass Graubünden einen Ursport wie Eishockey beherrscht», so Marti.
Martis Liebe gefällt nicht allen
Und wie steht ein Hauptstädter zur Kritik, dass man als Churer nicht Davos-Fan sein kann? «Ich sehe Davos als Stadtpräsident von Chur nicht als Konkurrenz. Der EHC Chur ist sehr wichtig für die Stadt. Er hat die grösste Eishockey-Juniorenabteilung im ganzen Kanton.» Allerdings, so Marti weiter, habe der Verein Mühe, die nötigen Finanzen zusammenzubekommen, um in einer höheren als in der dritthöchsten Liga des Landes zu spielen. «Umso mehr sollte Chur Davos unterstützen», so Marti.
Er ist sich bewusst, dass solche Aussagen eingefleischten EHC-Fans nicht gefallen. Darum sagt er auch: «Mit der neuen Infrastruktur könnte der Eissport in Chur allgemein und der EHC im Speziellen profitieren und zur zweiten Macht im Kanton heranwachsen. Wenn in Graubünden ein zweiter Verein in einer höheren Liga spielen kann, dann der EHC.» Marti würde sich jedenfalls sehr über einen oder mehrere Aufstiege des EHC Chur in höhere Ligen freuen.
Eine Saison zum Vergessen
Jedes Jahr besucht Marti einige Spiele in Davos. Allerdings waren dies auch schon mehr, denn das Amt als Stadtpräsident fordere doch auch viel Zeit. «Auch während des Spengler Cups bin ich jeweils in Davos.» Wenn Marti die Spiele auch nicht immer vor Ort verfolgt, dann doch meist im Live-Ticker.
Er spricht von einer schwierigen Saison, «die nicht ganz unerwartet kam». Marti sieht gewichtige Abgänge als Gründe. Zudem verstärke sich die Konkurrenz Jahr für Jahr. Dennoch sei die Saison bislang resultatmässig schlechter herausgekommen, als gedacht. Marti rechnete mit einem Kampf am Strich.
Seit der Niederlage gegen Langnau ist nun die erstmalige Playout-Teilnahme der Vereinsgeschichte Tatsache. «Nun ist es ein Fakt, im Teletext ist Davos rot eingefärbt.» Man müsse die Reset-Taste drücken und mit allen Mitteln den Ligaerhalt anstreben.
Den früheren Trainer Arno Del Curto kennt Marti nicht persönlich. Er war prägend, ein Meistertrainer, der an vergangene Zeiten anknüpfen konnte. Es kam der Hallenbau und der HCD wurde zur klaren Nummer 1 in Graubünden. Aber vielleicht sei die lange Zeit unter dem Engadiner Trainer auch etwas einseitig geworden, mutmasst Marti. Mehr Kontakt hat Marti mit dem früheren Vereinspräsidenten Tarzisius Caviezel, der wie er im Bündner Grossen Rat sitzt. Und mehr Freude hat er am neuen «Churer» HCD-Trainer Harijs Witolinsch. Der Lette spielte in der Saison 1992/93 und von 1996 bis 2001 für den EHC Chur.
Das sei ein Beispiel, dass der EHC und der HCD miteinander gute Geschichten schreiben können. Denn als Churer sei man irgendwie auch dem Bündner Eishockey im Allgemeinen verpflichtet. Davos in der höchsten Liga, Chur mit der besten Juniorenabteilung. Da müsse man innerhalb des Kantons das Beste herausholen, ist Marti überzeugt.
Träumt der Stadtpräsident gar von zwei Bündner Teams in der höchsten Liga? Nein, denn die Vergangenheit zeige realistisch betrachtet, dass das nicht möglich sei. Und zudem kämpfe der EHC um den Ligaerhalt in der dritthöchsten, der MySports League.
Arbeitsplätze als Vorteil
Man müsse aber damit beginnen, Strukturen aufzubauen und Teams in einer guten Liga für die Junioren stellen. Langfristig, und da kann Marti all jene EHC-Anhänger beruhigen, die ihm die Freude am HCD nicht verzeihen, langfristig gehöre der EHC in die zweithöchste, die Swiss League. Und er schiebt nach: «Der EHC kann das!»
Zusammen mit dem HCD könne Chur etwas Gutes für das Bündner Eishockey bieten. Denn Chur habe die Arbeitsplätze, die die Jungen für ihre Ausbildung neben dem Eis brauchen. 32'000 der kantonsweit 100'000 Arbeitsplätze an der Zahl.