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Schweiz & Welt

SVP vergleicht Krippenkinder mit Verdingkindern – jetzt droht eine Klage

Südostschweiz
21.07.2019, 09:45 Uhr
19.05.2026, 12:10 Uhr

«Familie ist stärker als Krippe», wettert SVP-Nationalrätin Verena Herzog (63) in einem Beitrag der SVP-Zeitung «Klartext». Herzog wehrt sich gegen das Ansinnen aus linken Kreisen, die Krippenbetreuung in der Schweiz zu fördern. Für einen gewaltigen Eklat sorgte sie aber mit folgender Äusserung: «Dies erinnert an das verwerfliche Gedankengut, mit welchem die Verdingkinder zur besseren Erziehung weggeben wurden.» Gemäss der Thurgauerin solle der Staat bei solchen Eingriffen mehr Zurückhaltung üben. 

Zur Erinnerung: In den 60er- und 70er-Jahre wurden hunderttausende Verdingkindern aus ihren Familien gerissen und in fremde Hände gegeben. Viele wurden an Bauern vermittelt, wo sie als günstige Arbeitskraft ausgenutzt und misshandelt wurden. Dass solche Worte aus dem Mund einer Mutter von drei Kindern und ehemaligen Kindergärtnerin kommt, ist ein Armutszeugnis. Doch Herzog ist sich keinem Fehler bewusst. 

In einem Interview mit «Blick.ch» vom Donnerstag verteidigte sie ihre Meinung und legte mit der Behauptung, dass die externe Kinderbetreuung in der Schweiz kurz davorstehe, obligatorisch zu werden, nach: «Kindergärten waren zu Beginn auch freiwillig und wurden dann verpflichtend. Dasselbe wäre für die Frühförderung fatal.»

Unverständnis in der Partei 

Dieser Vergleich sorgt auch innerhalb der Partei für rote Köpfe. So auch beim Bündner SVP-Politiker Heinz Brand, der diesen Vergleich von seiner Kollegin nicht nachvollziehen kann. «Die ganze Krippenproblematik von heute ist ganz anders zu beleuchten, als die Verdingkinderproblematik damals», sagte Brand gegenüber Radio Südostschweiz. Obwohl die Aussage in der Parteizeitung gedruckt wurde, bleibt es laut Brand bei einer persönlichen Meinung von Herzog. «Das Thema ordnen wir in der Partei unter dem Thema Sommerloch ein», sagte der Bündner Politiker auf die Frage, ob die Thematik intern gross angegangen wird. 

Verdingkinder klagen an

Für Robert Blaser, Präsident des Vereins Fremdplatziert, ist dieser Vergleich ein Skandal. «Es ist ein Hohn für Tausende ehemalige Verdingkinder! Sie behauptet, unsere Mütter hätten uns wehrlose Kinder freiwillig abgegeben – und seien selbst Schuld dran», sagte Blaser, selbst ein ehemaliges Verdingkind, gegenüber «Blick.ch». Für Blaser kommt nur eine Anzeige wegen Verleumdung in Frage. Wie er der Boulevard-Zeitung erklärte, dürfe es nicht ungesühnt bleiben, wenn eine Politikerin solche Unwahrheiten behaupte und damit tausende beleidige und verletzte. (huj)

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