So soll künftig weniger Kunststoff im Bündner Abfall landen
Verpackungsfolien, Zahnpastatuben oder auch Blumentöpfe landen in vielen Haushalten im Kehricht. Konkret werden gemäss Zahlen des Bundesamtes für Statistik aus dem Jahr 2010 von jährlich etwa 1‘000‘000 Tonnen Kunststoffabfällen oder 125 Kilogramm Kunststoffe pro Kopf 780‘000 Tonnen im Abfall entsorgt und über 80 Prozent (etwa 650‘000 Tonnen) landen in Kehrichtverwertungsanlagen. Nur etwa 80‘000 Tonnen werden recycelt. Künftig soll diese Zahl deutlich grösser werden. Dies ist auch das Ziel von sechs Entsorgungsunternehmen (InnoRecycling AG, Eschlikon (Thurgau) Vögele Recycling AG (Chur); MM Aufbereitung + Recycling AG (Ilanz); Engiadina Recycling AG (Zernez); Martin Conrad Transport AG (Samedan) und RS Recupero Materiali SA, Bironico (Tessin). Sie lancieren eine nachhaltige Sammlung für Kunststoff in Graubünden. In den sechs Bündner Regionen Chur und Mittelbünden, Surselva, Moesa, sowie dem Ober- und Unterengadin ist die Rückführung durch die Entsorgungs- und Logistikunternehmen garantiert.
Die wichtigsten Fakten zum neuen Angebot
Ausgangslage:
Kunststoffe aus Haushalten sind in der Regel Lebensmittelverpackungen. Diese sind nur kurz im Umlauf und eignen sich deshalb gut fürs Recycling. Doch trotzdem werden die Abfälle häufig nur einmal genutzt und dann verbrannt, sodass die Umwelt stark belastet wird. Bereits vor drei Jahren führten gemäss einer Medienmitteilung erste Gemeinden die Sammlung für Haushaltskunststoffe ein.
Das ändert sich: Für eine flächendeckende und einheitliche Sammlung von Kunststoffen wurde ein Bündner Sammelsack lanciert. Dieser kann in den Entsorgungsstellen in den sechs angesprochenen Regionen Chur, Mittelbünden, Surselva, Moesa, sowie dem Ober- und Unterengadin abgegeben werden.
Was kostet das Ganze?
Je nach Region kostet ein solcher Sammelsack zwischen zwei und vier Franken. Der Sack umfasst 60 Liter.
Wo sind die Säcke erhältlich?
Sie sind in den Sammelstellen sowie in den Dorfläden und Gemeindeverwaltungen erhältlich.
Wie wird der eingesammelte Kunststoff wiederverwertet?
Die regionalen Abgabestellen leiten den Kunststoff nach Chur zur Vögele Recycling AG weiter. Dort werden sie zu 500 Kilogramm schweren Ballen zusammengepresst und danach zur InnoRecycling nach Eschlikon spediert, wo die erste Vorsortierung erfolgt. Danach geht es zur Sortenauftrennung nach Süddeutschland und nach Vorarlberg. Daraus ergeben sich dann sortenreine Kunststoffe, die zur Herstellung von neuen Produkten genutzt werden. Unreine Mischkunststoffe werden zu Flocken verarbeitet und als Ersatzbrennstoff für Kohle in Zementwerken verwendet werden.
Was nützt das?
Gemäss den Initianten reduziert sich der CO2-Austoss durch Kunststoffrecycling im Einzugsgebiet bis in drei Jahren um über zwei Millionen Kilogramm. Ausserdem erhält die Schweiz dadurch neue Rohstoffe und muss weniger Erdöl importieren. (kup)