Neue Märkte für altes Produkt finden
Um den offiziellen Prix Montagne zu gewinnen, müssen ziemlich genau definierte Kriterien erfüllt werden. So müssen die eingereichten Projekte ihre Wirkung im Schweizer Berggebiet entfalten, seit mindestens drei Jahren wirtschaftlich erfolgreich sein, einen Beitrag zur Wertschöpfung, Beschäftigung oder zur wirtschaftlichen Vielfalt in einer Bergregion leisten und das Potenzial haben, von anderen aufgenommen und weiterentwickelt zu werden. Die mit 40 000 Franken dotierte Auszeichnung sei kein Innovationspreis, heisst es auf der Website der Schweizer Berghilfe. Sie sei «ein Preis für funktionierende, praktikable Projekte, welche Modellcharakter haben.»
Die Anzahl Klicks entscheidet
Keine Rolle spielen diese Kriterien beim Publikumspreis, der 20 000 Franken wert ist. Vergeben wird er nicht von der Jury des Prix Montagnes, den die Berghilfe mit der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete ausrichtet, sondern über ein Voting auf der Website der Berghilfe.
«Der Glarner Schabziger gilt als ältestes Markenprodukt der Schweiz», wird dieser in der gestrigen Mitteilung zu den sechs Nominierungen beschrieben. Deshalb wurde das Projekt der Geska AG und der Glarnermilch AG aber nicht ausgewählt. Vielmehr schaffte es «das ‹Stöckli›, das die Geschmäcker teilt» unter die letzten sechs von 56 eingereichten Projekten, weil das Produkt weiter entwickelt wird und wurde «und die Milchverarbeitung im Glarnerland» stärke.
«Der Glarner Schabziger ist ein Produkt mit nationaler, ja sogar internationaler Ausstrahlung», wird das Jury-Mitglied Kurt Zgraggen in der Mitteilung zitiert. «Die Geska AG und die Glarner Milch AG haben es geschafft, der Traditionsmarke ein neues Gesicht zu verpassen und die Wertschöpfung bei der Milchverarbeitung im Kanton zu erhöhen.»
Seit 1463 eine Marke
Eingegangen wird in der Mitteilung auch auf den «Ursprung des traditionsreichen Rohzigerprodukts», der «einige Jahrhunderte» zurück liege, «als Gewürze wie Pfeffer und Muskat bei uns noch kaum bekannt und sehr kostbar waren». Schabziger sei da eine willkommene Alternative gewesen, um die einfachen Gerichte der damaligen Zeit zu würzen. «Aus gereiftem Rohziger und grün färbendem Zigerklee wurde er von zahlreichen Glarner Käsern hergestellt.» Erwähnt werden weiter die «Zigermanndli», die damals lange Wege gingen, um den Schabziger zu verkaufen. Und: «Bereits ab dem Jahr 1463 verpflichtete die Landesgemeinde alle Hersteller, bestimmte Qualitätsrichtlinien einzuhalten und die Herkunft ihrer Produkte zu deklarieren.» So sei der Schabziger denn auch zur frühen eigenen Marke geworden.
Heute beschäftigt die Geska AG nach eigenen Angaben 16 Vollzeit- und drei Teilzeitangestellte. Die Geschichte des Schabzigers habe die Firma wesentlich geprägt, steht in der Mitteilung weiter. «Seit Jahrzehnten produziert das Unternehmen die grünen Stöckli, während viele andere Hersteller aufgeben mussten.» Die Geska habe das Potenzial ihres Produkts jedoch erkannt und mit Glarnermilch zusammengespannt, um die Existenz vieler Milchproduzenten zu sichern.
Faire Verträge mit Lieferanten
«Wir machten uns zum Ziel, die gesamte Schabzigerproduktion des Kantons an einem neuen Standort zu vereinen, um das Produkt weiter zu entwickeln und zu vertreiben», sagt Geschäftsführer Hermann Luchsinger. Das 2013 in Betrieb genommene Gebäude wurde konzipiert, um grosse Mengen Milch schonend und effizient zu verarbeiten. Zurzeit sind das um die fünf Millionen Liter jährlich.
Nebst dem Schabziger in zahlreichen Variationen wird auch Süssrahmbutter für Grossabnehmer wie Konditoreien hergestellt. «Wir bieten unseren Milchlieferanten stabile Preise und faire Abnahmeverträge und hoffen, dass wir in Zukunft noch mehr Milch annehmen und verarbeiten können», führt Luchsinger weiter aus. In der Innovationsabteilung werde fleissig daran gearbeitet, neue Produkte auf Basis von Rohziger zu entwickeln, um ein noch grösseres Kundensegment anzusprechen.
Voting: www.berghilfe.ch