Martin Hug: «Es ist unsinnig und unverhältnismässig!»
Martin Hug, Präsident der Bergbahnen Graubünden ist sauer. Die geforderte Schliessung der Terrassen in den Skigebieten per 26. Februar sei Unsinn, sagt er gegenüber Radio Südostschweiz.
Man werde alle Kraft auf die bewährten Schutzkonzepte lenken und diese bis zum letzten Tag der Hochsaison durchsetzen – also bis und mit kommenden Sonntag.
«Wir hoffen, dass die Regierung uns dies zugestehen kann», so Hug. Am ersten März werden dann die nötigen Um- und Abbauten vorgenommen, um dem Bundesratsentscheid gerecht zu werden. «Natürlich kann man dieses Verhalten, das Offenlassen der Terrassen bis am Sonntag, und nicht wie gefordert nur bis am Freitagabend, als Widerstand gegen die Regierung ansehen. Es ist aber einfach so, dass der Bund eine Entscheidung getroffen hat, die gesundheitspolitisch betrachtet, vollkommen neben der Spur ist. Wir haben in den letzten acht Wochen den Beweis erbracht, dass wir eine geordnete und gelenkte Take-Away-Situation auf den Terrassen haben», findet Hug.
Skigebiete sind keine Hotspots
Dass dieses Schutzkonzept nun nicht mehr gelte, gleichzeitig aber wieder ein Treffen von 15 Personen im öffentlichen Raum erlaubt sei, ergebe keinen Sinn. «Es macht mir Mühe, dass die Bündner Regierung nicht den Mut und die Kraft hatte, dem Druck von Bern länger zu widerstehen», sagt Hug. Gleichzeitig mit dem Entscheid die Terrassen zu schliessen, sei nämlich auch der Entscheid gefallen, dass bis Ostern Skifahren erlaubt sein werde. Die Skigebiete seien keine Hotspots, die Take-Aways seien keine Hotspots. «Da dürfte man doch erwarten, dass diese Daten und Fakten zur Kenntnis genommen werden!»
Wunsch nach einem konstruktiven Dialog
Alternativen in der Pandemiebekämpfung seien vom Bund überhaupt nicht beachtet worden, findet Hug. «Wir haben in Graubünden eine mehrsäulige Strategie, die aufgeht. Aber der Bund hat das nicht in seinen Entscheid einfliessen lassen sondern für alle Kantone entschieden.» Die epidemiologische Lage habe sich nämlich in den letzten Wochen positiv entwickelt – trotz offenen Terrassen. «Jetzt werden wir nochmals bestraft für die Kosten, die wir für die Schutzkonzepte und die Testungen hatten. Und pünktlich zu den Ferien der Bündner müssen wir auch noch die Terrassen schliessen», sagt Hug.
Bis anhin habe die Regierung des Kantons Graubünden den Tourismus in Graubünden stark unterstützt und seine Interessen gewahrt. «Aber jetzt wurde das Säbelrasseln vom Bund zu laut», so Hug. Es sei nicht mehr um Sachpolitik gegangen, sondern um Macht. Hug wünscht sich nun einen konstruktiven Dialog zwischen Bund, Regierung und Skigebieten. Ein Kampf sei nicht nötig, gemeinsam könne man viel mehr erreichen. Trotzdem, Hug ist wütend: «Ja, es nervt mich sehr. Wir verzichten schon länger auf Umsatz. Wir haben höhere Kosten. Wir waren auf einem Weg, der absolut in die richtige Richtung geführt hätte. Und zum Dankeschön kriegen wir einen Tritt in den Hintern.»
Hug hat dem Volkswirtschaftsdirektor Marcus Caduff in einer Email mitgeteilt, dass es Zeit brauche, die Terrassen zu schliessen, mindestens bis Sonntag. «Damit wollen wir nicht zum zivilen Ungehorsam aufrufen», sagt Hug. Man wolle damit aber aufzeigen, dass der Zeitpunkt der Schliessung alles andere als optimal sei. Am 1. März, wenn die Bundesmassnahmen in Kraft treten, seien die Terrassen aber geschlossen, verspricht Hug. Eine offizielle Rückmeldung seitens Kanton, welche dieses Vorhaben unterstützen würde, habe Hug aber nicht erhalten.