Das WEF und seine Mission
von Stefan Schmid
Seit Anfang der Siebzigerjahre ist das World Economic Forum (zu Beginn noch als European Management Symposium) – und mit ihm Gründervater Klaus Schwab – auf einer Mission. Ganz unbescheiden will das WEF die grossen Probleme unserer Zeit lösen und die Welt zu einem besseren Ort machen. Die inzwischen mehreren hundert WEF-Mitarbeiter, der Grossteil von ihnen am Hauptsitz in der Genfer Vorortgemeinde Cologny, arbeiten Tag für Tag auf dieses Ziel hin: von Initiativen zu grossen Themen wie dem Klimaschutz, dem Kampf gegen Cyberkriminelle oder (ganz aktuell) für eine bessere Integration von Behinderten, bis im Kleinen zur Optimierung der Wertschöpfungskette von Batterien. All dies geschieht meist unter dem Radar der Öffentlichkeit.
Eine Art Klassentreffen der Globalisierungs-Elite in alpiner Cüpli-Atmosphäre mit überrissener medialer Erwartungshaltung und überschaubarem Weltverbesserungs-Output»
Für die dicken Schlagzeilen sorgt das WEF jeweils einzig während seines Jahrestreffens. Dann, wenn sich – wie diese Woche wieder – Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik im abgeschotteten Kongresszentrum versammeln. Eine Art Klassentreffen der Globalisierungs-Elite in alpiner Cüpli-Atmosphäre mit überrissener medialer Erwartungshaltung und überschaubarem «Weltverbesserungs-Output».
Ohne Zweifel haben uns die Globalisierung Wachstum und Fortschritt gebracht: Ungeregelt vergrössert sie aber auch die Kluft zwischen Arm und Reich («wer hat, dem wird gegeben») – linke und rechte Protestbewegungen schlagen daraus politisches Kapital. Umwelt und Klima leiden, während die globale Schuldenmacherei die Märkte destabilisiert. Antworten für eine gerechtere, nachhaltigere und stabilere Weltwirtschaftsordnung wären also nötiger denn je; wobei selbst grosse Player wie die EU oder die G20 hier auf keinen gemeinsamen Nenner kommen. Ein Anfang wäre gemacht, wenn am WEF zumindest die richtigen Fragen gestellt würden. Für die grosse Mission bleibt ja immer noch das Tagesgeschäft in Cologny.
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