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Schweiz & Welt

Klamme Minuten, klamme Finger

Reto Furter
16.01.2019, 04:30 Uhr
19.05.2026, 12:10 Uhr

Eine regelrechte Sternfahrt nach St. Peter war das. Aus allen Dörfern im Ausser- und Mittelschanfigg fuhren Eltern hin, am Montagnachmittag, während der Schulzeit. Man solle die Schulkinder in St. Peter abholen, hiess es zuvor, «sofort». Strassensperrungen seien angekündigt, wegen des Schnees, wegen möglicher Lawinen, wegen der Ungewissheit. Und man wolle die Strassen nicht schliessen, solange noch Schüler in der Zentrumsschule in St. Peter seien.

Löblich – und gerechtfertigt im Nachhinein, auch wenn schliesslich «nur» die Strasse von Castiel hinunter nach Lüen und eine Erschliessungsstrasse in Langwies geschlossen werden mussten. Das war am Montagnachmittag, mitten im Schneetreiben, aber noch nicht absehbar.

So ganz geheuer war es in St. Peter niemandem, am wenigsten den Schulkindern, die nicht wussten, was ihnen geschah, als sie erst aus den Klassenzimmern und dann aus dem Schulhaus geholt wurden, dorfweise. Kein Wunder, denn dass man die Schule evakuiert, kommt im Schanfigg zum Glück nicht häufig vor. Sondern nie. Oder so gut wie.

Jeder Hang, und sei er noch so flach, war in den Kinderaugen jedenfalls plötzlich ein mögliches Anrissgebiet, eine drohende Gefahrenzone. Die Ankündigung, dass gestern Dienstag schulfrei sein würde, änderte an der klammen Aufregung vorerst auch nicht viel. Freude kam erst später auf.

Ein Problem hatte nur, wer gestern arbeiten gehen wollte, gehen musste. Wohin mit den Kindern, wenn die Schule ausfiel, wenn einem das Wetter einen Streich spielte? Richtig, ins Freie, schaufeln, der Vater grad mit, der halt ebenfalls frei hatte, mitschulfrei gewissermassen.

Geschadet hat es niemandem. Nicht den Erwachsenen, die mit dem Neuschnee auch gestern früh einmal mehr (aber vorläufig immerhin zum letzten Mal!) genug zu tun hatten. Und auch nicht den Kindern, die noch nie so viel Schnee erlebt haben, wie derzeit im Schanfigg liegt. Die noch selten erlebt hatten, dass Schlitteln nicht nur schwierig ist, wenn zu wenig Schnee liegt, sondern auch dann, wenn zu viel Schnee liegt, um im Hang mit klammen Fingern überhaupt noch aufsteigen zu können.

Reto Furter hätte gestern in Chur in der Redaktion arbeiten sollen. Hätte. Er blieb zu Hause.

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