«Rahmen für die Zusammenarbeit schaffen»
DZ: Josef Mondl, seit der ersten Durchführung des Digital Transformation Symposium (DTS) 2019 hat sich die Welt grundlegend verändert. Verschüttete Grenzen zwischen Nationen und Kulturen brachen wieder auf und treten heute umso mehr zutage. Das gilt auch für China. Stichworte sind Rechtsunsicherheit, fehlende politische Freiheiten, Überwachungsstaat, Menschenrechtsverletzungen, Zwangsarbeit und Umweltzerstörung durch staatliche Akteure. Genau hier soll eine nachhaltige digitale Transformation ansetzen? Was muss man sich darunter vorstellen?
Josef Mondl: Die Aufrechterhaltung des Dialogs mit China, insbesondere im Bereich der nachhaltigen digitalen Transformation, ist insbesondere in Zeiten bedeutender globaler Veränderungen und zunehmender Spannungen zwischen China und dem Westen von entscheidender Bedeutung.
In der heutigen, vernetzten Welt kann kein Land komplexe globale Herausforderungen allein bewältigen. China ist das bevölkerungsreichste Land der Welt und die zweitgrösste Volkswirtschaft, und sein Handeln hat erhebliche globale Auswirkungen. Um gemeinsame Herausforderungen wie den Klimawandel, die Cybersicherheit und die wirtschaftliche Stabilität wirksam anzugehen, ist ein konstruktiver Dialog mit China unerlässlich. Beispielsweise ist China der weltweit grösste Emittent von Treibhausgasen, und sein Engagement und seine Zusammenarbeit sind für die Erreichung der globalen Klimaziele von entscheidender Bedeutung.
Die zunehmende Entfremdung des Westens von China hat zu einem wachsenden Vertrauensdefizit und zu eskalierenden Spannungen in verschiedenen Bereichen wie Handel, Technologie und Menschenrechten geführt. Ein offener und kons-truktiver Dialog kann dazu beitragen, das gegenseitige Verständnis zu fördern, Wahrnehmungslücken zu überbrücken und Bereiche von gemeinsamem Interesse zu finden, wodurch das Risiko von Fehleinschätzungen oder Konflikten verringert wird. Die Zusammenarbeit mit China bietet die Möglichkeit, gemeinsame Werte und Normen zu fördern und aufrechtzuerhalten, und so Bedenken in Bezug auf Menschenrechte, geistige Eigentumsrechte und faire Handelspraktiken anzusprechen.