«Ich freue mich auf das nächste Treffen»
«Das Tagesgeschäft läuft nebenher ja auch noch», sagt Wilhelm, während man am Montag gemeinsam auf dem Weg zur Eröffnung des Foodwaste-Reduktions-Projekts «4Reasons» ist. Doch schliesslich findet man einen Zeitpunkt am Donnerstagvormittag, der beiden passt. Genügend Zeit für den Landammann, um vorher das WEF aus einem neuen Blickwinkel zu erleben. Dass er unter anderem vom WEF politisiert worden sei, hatte er nun schon einige Male gesagt. So viel ist vom ehemaligen Juso bekannt. Doch gefragt nach seiner ersten WEF-Erfahrung, muss er lange überlegen. «Das war wohl, wie wir in der ‹Box› Schilder für die Demonstrationen pinselten.» Damals vor rund 15 Jahren war er vom Eindruck getrieben, dass viele Teilnehmenden des WEF die drängenden Probleme nicht erkennen, geschweige denn lösen wollten, sagt er und nennt die Klima- und die Migrationsproblematik. «Es gibt viele Beispiele, bei denen Profit über das Gemeinwohl gestellt wird.» Als er mit seinen Genossinnen und Genossen die Schilder gezeichnet hatte, sei ihnen jedoch sehr wohl bewusst gewesen, dass ihre Botschaften für eine gerechte und nachhaltige Welt auch in New York und anderen Orten der Welt gesehen würden. «Das war natürlich nur dank der Aufmerksamkeit des WEF möglich.»
Erste Einblicke
Als Landratspräsident hat Wilhelm 2019 erste Einblicke in die damalige WEF-Welt im Kongresszentrum erhalten. Und als er sich 2020 um das Amt des Landammanns bewarb, musste er sich die Frage stellen, ob er sich die Rolle als WEF-Gastgeber vorstellen könne. «Als jemanden, der zehn Jahre lang Schilder getragen hat, musste ich mir das ernsthaft überlegen.» Bei der Entscheidung geholfen hat Wilhelm die Tatsache, dass sich die Davoser Bevölkerung in Abstimmungen mehrfach demokratisch zum WEF bekannt hatte. «Zudem sah ich in den Risikoberichten des WEF immer mehr Fokus auf den Themen, die mir damals auch beim Schilderschreiben wichtig waren.» Neben dem zentralen Fokus auf der Bekämpfung des Klimawandels etwa wurde sogar auch über Themen wie ein allgemeines Grundeinkommen oder eine Lohnbandbreite diskutiert. Und auch in Sachen Teilnehmenden schien sich einiges getan zu haben. So begegnete Wilhelm 2019 der Klimaaktivistin Greta Thunberg oder dem Umweltschützer Robert Attenborough.