Graubünden und Glarus üben Kritik an Prämienanstieg
Die Krankenkassenprämien steigen im Jahr 2020 im Schnitt um 0,2 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr, als die Erhöhung 1,1 Prozent betrug, ist dies ein moderater Anstieg. Das Bundesamt für Gesundheit führt dies etwa auf die Massnahmen zur Kostendämpfung zurück.
Graubünden mit mindestens 1,5 Prozent
In Graubünden wird die Prämie aber wesentlich deutlicher steigen. Die Bevölkerung in den Kantonen Appenzell Ausserrhoden, Graubünden, Neuenburg, Tessin und Wallis wird mindestens 1,5 Prozent mehr bezahlen müssen. Um 1,9 Prozent auf durchschnittlich 326 Franken steigt die Erwachsenenprämie 2020 im Kanton Graubünden. Die Bündner Monatsprämie liegt damit aber immer noch um knapp 50 Franken tiefer als im schweizerischen Schnitt.
Beim Kanton Graubünden stösst diese Entwicklung auf wenig Verständnis. Aufgrund der Daten, die ihm zur Verfügung stünden, könne er die Erhöhung nicht nachvollziehen, sagte Rudolf Leuthold, Chef des Bündner Gesundheitsamtes, am Dienstag auf Anfrage von Keystone-SDA. Die Gesundheitskosten im Kanton seien unterdurchschnittlich gewachsen, das Prämienwachstum dagegen sei nun überdurchschnittlich ausgefallen.
Die Prämie für die jungen Erwachsenen bis zum Alter von 25 Jahren reduziert sich nächstes Jahr auch in Graubünden, und zwar um 0,2 Prozent auf durchschnittlich 239 Franken. Schweizweit beträgt der Rückgang minus zwei Prozent auf 265 Franken. Die Kinderprämie in Graubünden klettert um 1,3 Prozent auf 87 Franken. Landesweit gab es eine Nullrunde. Die Kinderprämie verharrte im Durchschnitt auf knapp 99 Franken.
Glarus mit Anstieg und Kritik aus dem Departement
In Glarus steigen die mittleren Prämien im 2020 stärker als im nationalen Schnitt, nämlich um 0,5 Prozent.
- Genau 333.90 Franken beträgt die Durchschnittsprämie für Erwachsene nächstes Jahr im Glarnerland.
- Bei jungen Erwachsenen beträgt die Durchschnittsprämie 244.10 Franken und ist somit stärker angestiegen.
- Die Kinderprämie beträgt nächstes Jahr durchschnittlich 82.70 Franken.
Trotzdem zahlt die Glarner Bevölkerung monatlich etwa 40 Franken tiefere Prämien als der nationale Durchschnitt mit 370.40 Franken.
Das Gesundheitsdepartement von Glarus kritisiert in einer Medienmitteilung am Dienstagmorgen jedoch die Intransparenz der Prämienbildung und äussert öffentlich Fragen. «Die Glarner Versicherten nehmen laut Prognose der Versicherer weniger Leistungen in Anspruch, die Kosten sind sogar rückläufig. Wieso sinken die Krankenkassenprämien trotzdem nicht?»
Die von den Versicherern erwartete Kostenentwicklung (von Hausärzten, Spitälern oder Alters- und Pflegeheimen) würden um 0,2 Prozent sinken. Entsprechend müssen die Prämien ebenfalls sinken oder zumindest stabil bleiben, heisst es in der Mitteilung. Es bestehe der Eindruck, dass der Glarner Prämienzahler 2020 zu hohe Prämien zahle.
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Zu viele Kostentreiber
Seit Inkrafttreten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung im Jahr 1996 sind die Nationalen Prämien jährlich um durchschnittlich 3,8 Prozent gestiegen.
«Noch immer gibt es zu viele Kostentreiber, die vermeidbar wären: Medikamente und medizinische Hilfsmittel sind um ein Vielfaches teurer als im Ausland, Rechnungen sind unverständlich, werden zu wenig überprüft und nicht konsequent den Patientinnen und Patienten zugestellt. Zudem fehlen wirksame Massnahmen, damit die Versorgungsqualität überwacht und optimiert werden kann.» So zitiert der Schweizerische Konsumentenschutz seine Präsidentin Prisca Birrer-Heimo in einer Mitteilung nach Bekanntgabe der Prämien für das nächste Jahr.
(so/sda)