Die Diesellüge: Donald Trump als Russlands nützlicher Idiot

US-Präsident Trump macht die Ukraine für die hohen Dieselpreise verantwortlich und fordert Wolodymyr Selenskyj auf, die Angriffe auf russische Ölraffinerien einzustellen. Doch es wäre schlecht, wenn die Ukraine ihre Offensive gegen den russischen Energiesektor beenden würde. Der Ukraine fehlen nach wie vor lebenswichtige Waffen, um Russland zu besiegen. Der russische Vorsprung in den Bereichen Luftfahrt, Raumfahrt, Marine sowie bei ballistischen Raketen und Marschflugkörpern ist zwar nicht mehr so gross wie 2022, stellt aber nach wie vor ein Hindernis auf dem Weg zum Erfolg der Ukraine auf dem Schlachtfeld dar.
Die asymmetrische Kriegsführung ist eine gute Strategie, die von den ukrainischen Streitkräften entwickelt wurde. Es ist jedoch nach wie vor eher unwahrscheinlich, dass die Ukraine den Zermürbungskrieg mit rein militärischen Mitteln gewinnt. Es muss etwas innerhalb Russlands oder innerhalb seines Militärs geschehen, um einen Sieg der Ukraine zu ermöglichen.
Die ukrainische Offensive gegen Ölraffinerien ist eine der wenigen Chancen, eine Wende im Krieg herbeizuführen. Sie ist erfolgreich angesichts der dem ukrainischen Militär zur Verfügung stehenden Mittel, der Verwundbarkeit der Energieanlagen, der Auswirkungen auf die Wirtschaft des Feindes und der Sichtbarkeit für dessen Gesellschaft. Sie wird Erfolg haben, wenn sie konsequent fortgesetzt wird.
Der grosse Preisschock hat nicht mit dem russisch-ukrainischen Krieg zu tun
Und nun eilt Donald Trump seinem Moskauer Freund Wladimir Putin zu Hilfe. Er versucht, die Menschen über die wahren Gründe für den Anstieg der Preise für Ölprodukte in die Irre zu führen. Die ukrainischen Angriffe haben die Produktion von Benzin und Diesel in Russland verringert. Die russische Regierung hat Beschränkungen für den Export von Ölprodukten auf die Weltmärkte verhängt. Erste Beschränkungen wurden im September letzten Jahres eingeführt. Umfassendere Exportbeschränkungen wurden im Juli dieses Jahres auf dem Höhepunkt der Energiekrise eingeführt, über die wir hier am 10. Juli berichtet haben.
Wie das «Wall Street Journal» erklärt, stiegen die weltweiten Terminpreise für Diesel im Juli aufgrund des russischen Exportverbots um elf Prozent. Der grösste Preisschock kam jedoch erst später – und er hat nichts mit dem russisch-ukrainischen Krieg zu tun.
Nachdem sich die Dieselpreise nach dem russischen Exportverbot angepasst hatten, stiegen sie Anfang dieses Monats um 30 Prozent. Die Gründe dafür sind amerikanische Angriffe auf den Iran und die militärischen Erfolge der iranischen Verbündeten, der Huthis, die weltweit wichtige Handelsrouten bedrohen.