Die «Tankstelle Russland» implodiert

Russland, «die Tankstelle, die sich als Land ausgibt» (Zitat John McCain, 2015), wird von einer Treibstoffkrise erschüttert. In der Nähe von Tschita in Ostsibirien erstreckte sich jüngst eine Schlange von mehr als 600 Autos über eine Länge von über vier Kilometern. Manche Menschen mussten mehr als 36 Stunden warten, um ihre Tanks zu füllen.
In Moskau sieht es besser aus – dort betragen die Wartezeiten «nur» eine halbe Stunde. Doch im übrigen europäischen Teil Russlands stehen die Menschen in längeren Schlangen als in Moskau.
Auf der Krim herrscht Treibstoffknappheit, und der Treibstoff wird von den Besatzungsbehörden streng reguliert. Die Menschen dürfen bis zu 200 Liter Treibstoff aus der russischen Region Krasnodar mitbringen. Die Hälfte davon ist verbraucht, wenn sie von der Westküste der Krim-Halbinsel zurückreisen. Die Lage auf der Krim wird durch Stromausfälle noch verschärft.
Videos von Auseinandersetzungen in den Warteschlangen, Betrugsversuchen und verzweifelten Menschen in Tränen sind in den sozialen Netzwerken allgegenwärtig.
Der ukrainische Militäranalyst mit dem Spitznamen «Oko Gora» hat herausgefunden, dass bereits 32 von 44 russischen Ölraffinerien angegriffen wurden. Seit 2022 gab es 167 erfolgreiche Angriffe auf Raffinerien.
Diese Woche trafen die Ukrainer auch die Raffinerie in Omsk, 2500 Kilometer hinter der russischen Grenze.
Mehrere Raffinerien im europäischen Teil Russlands wurden schon mehr als ein Dutzend Mal von ukrainischen Drohnen angegriffen. Der eigentliche Durchbruch gelang jedoch mit den erfolgreichen Angriffen auf die Raffinerien in Moskau und Omsk.
Die Moskauer Raffinerie in Kapotnia ist für die Versorgung der Megastadt von entscheidender Bedeutung. Die Raffinerie in Omsk in Sibirien ist die grösste Raffinerie Russlands und deckt 11 Prozent des Treibstoffbedarfs. Sie war die letzte Hoffnung der russischen Behörden, Moskau und Westrussland zu versorgen – bis ukrainische Drohnen diese Woche Omsk angriffen, das mehr als 2500 km von der Ukraine entfernt liegt.
Derzeit produziert Russland täglich 85'000 Tonnen Benzin und 183'000 Tonnen Diesel. Laut dem ukrainischen Militäranalysten Kostiantyn Mashovets verbraucht die russische Armee etwa fünf Prozent des produzierten Treibstoffs. Benzin macht dabei nur einen Bruchteil dieses Anteils aus. Es ist also kaum möglich, die Lage an der Front durch Angriffe auf die Kraftstoffversorgung zu beeinflussen.