Die Regierung will die Mischung
Die Bündner Regierung hat die Botschaft betreffend Anpassung des Wahlsystems des Grossen Rats verabschiedet. Das System muss geändert werden, weil laut Bundesgericht die Hälfte aller Sitze bisher nicht verfassungsmässig verteilt wurden. Dies hatte das Gericht aufgrund einer Stimmrechtsbeschwerde entschieden. Bis zu den nächsten Grossratswahlen im Mai 2022 muss deshalb ein neues System her.
Bisher wurde in Graubünden im Majorz-System gewählt. Bei dieser Mehrheitswahl werden die Kandidaten gewählt, die am meisten Stimmen erhalten. Sie soll mit einem gemischten System ersetzt werden. Wie es in einer Medienmitteilung der Standeskanzlei Graubünden heisst, unterbreitet die Regierung dem Grossen Rat eine Vorlage zur Umsetzung des sogenannten Wahlsystem-Modells E.
Beim Majorz, auch Majorzwahl oder Mehrheitswahl, werden die Kandidaten gewählt, die am meisten Stimmen erhalten.
Beim Proporz, auch Proporzwahl oder Verhältniswahl, werden nicht Kandidierende direkt gewählt, sondern in erster Linie die Partei und erst dann die Kandidaten.
Heute wird in Graubünden im Majorzsystem gewählt. Das Majorzsystem ist in der Schweiz ein Auslaufmodell. Neben Graubünden wird der Majorz für Parlamentswahlen nur noch in Appenzell Innerrhoden angewendet und Appenzell Ausserrhoden kennt eine Mischform aus Majorz und Proporz. In Graubünden ist das Majorzsystem seit Jahrzehnten umstritten. Seit 1937 wurden acht Proporzmodelle zur Volksabstimmung vorgeschlagen. Ein einziges Mal, 2003, siegten die Befürworter des Proporzes. Die Abstimmung wurde jedoch wiederholt, und es gewannen wieder die Verfechter des Majorzes. Das letzte Mal wurde der Wechsel zum Proporz im März 2013 an der Urne abgelehnt – mit 56 Prozent der Stimmen.