«Die Plätze blieben zu zwei Dritteln leer»
Mit dem Open Forum sollte 2003 ein Raum geschaffen werden, in dem eine kritische Öffentlichkeit in direkten Kontakt mit Teilnehmenden am Jahrestreffen treten konnte. Dies auch, um den in den Jahren davor massiven und teilweise gewalttätigen Protesten auf der Strasse etwas den Wind aus den Segeln zu nehmen. Es sollte ein Ort sein, wo die Themen, die sonst nur im Inneren des Kongresszentrums diskutiert wurden, direkt auch der einheimischen Bevölkerung zugänglich gemacht werden. Über die Jahre wurde die in der Aula der SAMD durchgeführte Veranstaltung zu einem festen Bestandteil des Jahrestreffens, die regelmässig auf sehr grosses Interesse stiess. Zeitweise war der Andrang solchermassen, dass sich das WEF genötigt sah, Besuchende am Jahrestreffen zu bitten, zugunsten der Einheimischen auf die Teilnahme am Open Forum zu verzichten. So verzeichnete die Veranstaltung während der WEF-Woche mit meistens zwei, manchmal auch drei Terminen pro Tag zwischen 1500 bis 2000 Eintritte.
Zuerst die Absage
Entsprechend gross war die Enttäuschung, als im Vorfeld des auf Januar angesetzten Jahrestreffen dieser Programmpunkt fehlte. «Diese Absage tut uns unheimlich leid», sagte WEF-Direktor Alois Zwinggi im November 2021 anlässlich einer Informationsveranstaltung in Davos. «Nie hätten wir gedacht, dass wir einmal im Fadenkreuz solcher Verschwörungstheorien stehen würden.» Doch sie würden täglich massive Drohungen – bis hin zu Mord – erhalten. Auf den Mai hin hatte sich die Situation jedoch soweit entspannt, dass man wagen wollte, das Open Forum durchzuführen. Mit erhöhten Sicherheitsvorkehrungen allerdings. So musste man sich für die Teilnahme neu über eine Online-Plattform anmelden. Um weniger technik-affinen Personen den Besuch ebenfalls zu ermöglichen, bot das WEF eine persönliche Hilfestellung an, die dann aber von lediglich zwölf Personen in Anspruch genommen wurde. Über die Online-Plattform gingen jedoch pro Session 250 bis 300 Anmeldungen ein, wie das WEF auf Anfrage mitteilt. 2326 seien schliesslich gewesen. Dies war möglich gewesen, weil das Open Forum zum ersten Mal anstatt in der Aula SAMD in der neuen Dreifachturnhalle an der Tobelmühlestrasse stattfand und Platz für rund hundert Personen mehr bot. «Die Lokalität war absolut fantastisch.»