Die Alpenpioniere holen alles aus den Hanfnüssli
Dass viel in den knapp vier Millimeter grossen Hanfsamen steckt, war Emanuel Schütt schnell klar. Von einem Freund hatte er Hanföl aus Slowenien erhalten mit dem Hinweis, dieses sei dort für die kalte Küche überaus populär. Also begann er zu recherchieren und erkannte, dass die Mini-Früchte der Hanfpflanze kleine Kraftpakete sind: Sie enthalten ungesättigte Fett- und essenzielle Aminosäuren, kombiniert mit einer guten Portion Ballaststoffen und Eiweiss.
Schütt, gelernter Gärtner und Experte Intensivpflege, war bald begeistert von der pflanzlichen Proteinquelle. Und seine beiden Mitstreiter der ersten Stunde, Carlo Weber und Adrian Hirt, beides Lebensmitteltechnologen, waren es auch. Die drei Alpenpionier-Köpfe wollen eine der ältesten Nutzpflanzen zurück auf den Teller bringen. Nutzhanf wurde auch in Graubünden bis zu Beginn des letzten Jahrhunderts kultiviert, allerdings vor allem der Fasern wegen.
Ausser Frage stand für die Alpenpioniere, dass der Hanf biologisch angebaut werden soll. «Aber wir wollen auch jung, frisch und modern sein und eine Geschichte zu den Produkten erzählen», sagt Schütt. Deshalb gehören auch Markenbotschafter zu den Mitbegründern des jungen Unternehmens: der Profi-Snowboarder Nicolas Müller, die Spitzenköchin Rebecca Clopath und die ehemalige Skiakrobatin Mia Engi.
Anbaufläche verfünffacht
40 Tonnen biologische Hanfnüsse von 46 Hektaren Land haben die Alpenpioniere im vergangenen Herbst geerntet. Und damit die Anbaufläche gegenüber dem Vorjahr verfünffacht. Rund die Hälfte der Hanffelder liegt gemäss Schütt in Graubünden, etwa in Maienfeld, Bonaduz und Tschiertschen, im Domleschg und Schams sowie im Albulatal, Puschlav und Unterengadin. Der Lebensmittelhanf enthält kaum THC, wirkt also nicht berauschend. Wozu der Hanf angebaut wird, steht erklärend neben jedem Feld auf einer Tafel. Zudem erhält die Kantonspolizei jeweils im Frühling eine Karte mit allen Anbaustandorten.
Landwirte offen für Hanf
Es sei relativ einfach gewesen, Landwirte für den Anbau zu gewinnen, erzählt Schütt. Er habe vor zwei Jahren einfach Bündner Bio-Ackerbauern angerufen. «Die Reaktionen waren erstaunlich positiv», berichtet er. Rund dreissig neue Landwirte sind im vergangenen Jahr dazu gekommen. Und heuer wollen die Alpenpioniere die Anbaufläche noch einmal vergrössern: auf 50 bis 60 Hektaren.