Der St. Galler CVP-Chef zum Kinderporno-Skandal
Michael Hugentobler ist ausgebildeter Primarlehrer und sass für die CVP im St. Galler Kantonsrat. Am Montag wurde bekannt, dass der 37-jährige Familienvater rechtskräftig verurteilt wurde, weil er auf Chatplattformen mit drei 13- und 15-jährigen Mädchen Kontakt aufgenommen hatte und auch intime Bilder von sich verschickt hat. Eines der Mädchen, die er anschrieb, war aber ein Ermittler der Berner Kantonspolizei, weshalb Hugentobler aufflog.
Seit wann wissen Sie vom Strafbefehl gegen Michael Hugentobler?
Er hat uns am Montag seinen Rücktritt aus all seinen Ämtern und den Austritt aus der Partei bekannt gegeben. Am späteren Nachmittag informierte er uns auf Nachfrage auch über die Gründe.
Sind Sie als Parteipräsident froh, dass er selber die Konsequenzen gezogen hat?
Was heisst froh? Was er getan hat, ist weder tolerier- noch entschuldbar. Die CVP verurteilt dieses Verhalten aufs Schärfste. Wenn nicht er selber, hätten wir als Partei die Konsequenzen gezogen.
Michael Hugentobler hatte 2017 das Amt als Präsident der Stadtsanktgaller CVP abgegeben und – für Beobachter überraschend – nicht als Stadtrat kandidiert. Er begründete das mit der Geburt seines Kindes. Gab es intern keine Anzeichen oder Gerüchte, dass noch anderes dahinterstecken könnte?
Nein, es gab keine Anhaltspunkte. Wir wurden von der Nachricht völlig überrascht und schockiert. Es herrscht bei der Partei eine grosse Enttäuschung vor.
Dass er sein Patent als Lehrer 2017 unwiderruflich zurückgegeben hatte, war der Partei nicht bekannt?
Ich wusste davon nichts.
Die CVP hat zum Rücktritt von Michael Hugentobler und den Gründen keine Medienmitteilung verfasst. Wieso? Hofft die Partei, dass der Vorfall möglichst schnell vergessen geht?
Nein, aber es handelt sich um ein Fehlverhalten im privaten Rahmen, das nichts mit der Partei oder seinem Amt zu tun hat. Durch den Rücktritt von allen Ämtern und den Austritt aus der Partei hat Micheal Hugentobler die Konsequenzen gezogen. Somit ist die Sache für uns erledigt.
Der Fall macht Schlagzeilen. «Blick» kommentiert ihn als «Super-GAU» im Wahljahr – zumal sich die CVP gerne als Partei der Werte verkauft. Wie gross ist der Imageschaden für die Partei?
Es gibt immer einen Imageschaden für eine Partei, wenn ein Mandatsträger ein Fehlverhalten an den Tag legt. Man muss aber privates Verhalten von politischen Programmen trennen.
CVP-Kandidat Beni Würth gilt als Favorit für den Ständeratswahlkampf im Frühling. Fürchten Sie, dass der Vorfall das Wahlergebnis beeinflussen könnte?
Nein, ich gehe davon aus, dass der Stimmbürger das klar auseinanderhalten kann.
Vor gut einem Jahr gab es einen Wirbel um den Walliser CVP-Nationalrat Yannick Buttet, der seine Ex-Geliebten genötigt hatte. Ist es Zufall, dass nun erneut in der CVP ein Mitglied wegen moralischer Verfehlungen für Wirbel sorgt?
Ja, es ist Zufall. In anderen Parteien oder Institutionen gibt es auch Vorfälle. Im Fall von Michael Hugentobler sind schnelle und klare Konsequenzen erfolgt.