Der Segelflieger brachte den Schlepper zum Abstürzen
Es ist einer der schwereren Zwischenfälle, die sich am Flugplatz Mollis ereignet haben. Rund zwei Jahre braucht die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle, bis sie den Absturz eines Motorfliegers aus geringer Höhe klären kann. Sie hat am Donnerstag den Schlussbericht dazu veröffentlicht, in dem sie detailliert auf die Vorgänge an diesem Tag eingeht.
Am 27. Mai 2017 will ein 53-jähriger Segelflieger mit einem Schleppflugzeug in den Himmel beim Flugplatz Mollis gebracht werden. Er ist etwas nervös, weil genau so ein Start ein Monat zuvor schiefgegangen ist. Er musste damals gleich nach dem Start das Seil ausklinken und wieder landen. Das wissen der Pilot des Schlepper-Flugzeugs, die Flugdienstleiterin und auch sein Fluglehrer, der vom Boden aus zusieht und Funkkontakt mit ihm hat. Darum haben die Beteiligten schon vor dem Start besprochen, wie sie vorgehen wollen, wenn wieder etwas schiefgehen sollte.
Und auch an diesem Maitag gelingt der Start nicht wunschgemäss: Der Segelflieger gewinnt zu schnell an Höhe, der Pilot korrigiert, und die Maschine prallt auf der Piste auf und steigt wieder zu hoch. Weil der Segler per Seil mit dem Motorflieger verbunden ist, wird das gefährlich für den Piloten des Schleppers. Das Heck des Motorfliegers wird hochgezogen, weil der Segler kurz nach dem Start schon 15 Meter höher fliegt als das Motorflugzeug vor ihm.
Plötzlich zieht es nach links
Der Segelflieger reagiert schnell, will das Schleppseil ausklinken. Dadurch könnte der Motorflieger ohne Ballast wegfliegen und der Segler auf der verbleibenden Piste aus geringer Höhe wieder landen. Genau darauf konzentriert sich jetzt der Segelflieger.
Da wird sein Flugzeug plötzlich nach links gezogen. Erschrocken blickt der Segelfliegerpilot auf: Er sieht gerade noch, wie der Schlepper nach links wegkippt und in die Wiese neben der Piste stürzt. Das Seil, welches den Motor- und den Segelflieger verbindet, hat sich nicht gelöst. Der Segelfliegerpilot kann sein Flugzeug etwas rumplig landen, der Pilot des Motorfliegers wird aber schwer verletzt. Die Verletzungen seien nur «zufällig überlebbar» heisst es dazu im Bericht der Sust. Das Schlepperflugzeug ist zerstört, Flammen züngeln aus dem Motorraum. Ein Aufgebot an Polizei und Feuerwehr rückt an. Der Segelflieger ist schwer traumatisiert und muss von einem Care-Team betreut werden.
Was genau schiefgelaufen ist, bleibt noch offen
Die Sust sieht den Hauptgrund für den Absturz in einer Fehlmanipulation des Segelfliegers beim Ausklinken des Schleppseils. Ob er den falschen Knopf gedrückt oder die Klinke mit zu wenig Kraft gezogen habe, müsse dabei offen bleiben, heisst es im Schlussbericht, der am Donnerstag veröffentlicht wurde.
Es sei nicht nachvollziehbar, warum der Fluglehrer nicht mehr Schulungsflüge durchgeführt habe, bei dem der Pilot das Starten mit einem Schleppflugzeug hätte üben können, schreibt die Sust. Vor allem, weil genau das gleiche Problem beim Start schon einmal aufgetaucht sei.
Die Sust sieht eine Kombination von vier Faktoren, die zum Absturz geführt hat. Es sind die unzulängliche Steuerführung des Segler-Piloten beim Start. Aber auch, dass diese Schwäche bekannt gewesen sei und die Behebung unzweckmässig trainiert worden sei. Weiter nennt die Sust die Fehlmanipulation beim Ausklinken und das eingeschränkte Situationsbewusstsein des Segelflugpiloten.