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Schweiz & Welt

«Der Anblick von Jungwölfen verursacht Hühnerhaut»

Südostschweiz
03.08.2019, 04:30 Uhr
19.05.2026, 12:10 Uhr

«Ich kam gerade von einer Reise nach Schottland zurück», erzählt Pius Furger gegenüber Radio Südostschweiz. «Da vernahm ich, es seien Jungwölfe am Heinzenberg beobachtet worden.» Grund genug für Furger, gleich am nächsten Tag in die Wanderschuhe zu steigen. «Einmal im Leben einen Wolf fotografieren, das habe ich mir einmal vorgenommen.» Die Reisetasche kam unausgepackt in die Ecke, der Skistock mit auf den Ausflug – «als Not-Stativ».

Mit Hinweisen von Bekannten auf den möglichen Aufenthaltsort der Wölfe ging Furger los. Der junge Mann, der ihm mit Feldstecher um den Hals entgegenkam, entpuppte sich auch als Wolfs-Beobachter. Er habe die Wölfe tags zuvor gesehen, heute aber kein Glück gehabt. «Aber er konnte mir detailliertere Anhaltspunkte geben, wo ich die Wölfe finden würde», erzählt Furger.

Bei seinem Ziel angekommen, machte Furger Halt, setzte sich hin, um etwas zu essen. Und dann, plötzlich: Die jungen Wölfe springen herum, balgen sich. «Man bekommt Hühnerhaut, wenn man die Wölfe in echt sieht», sagt Furger. Etwa 120 Meter habe die Distanz zu den Wölfen betragen. «Sie haben mich nicht gewittert, den Kopf nie zu mir gedreht.» Deshalb wollte er gar nicht näher heran.

«Plötzlich hats ‹geräbelt›»

Eine kurze Weile und ein paar «nicht so gute» Fotoaufnahmen später verschwanden die Wölfe wieder, Furger machte sich auf den Nachhauseweg. Um am nächsten Abend wieder auf Foto-Pirsch zu gehen. «Als ich mich hinsetzte, war zuerst einmal tote Hose. Doch plötzlich ‹räblete› es.» Er habe Fotos gemacht und den Anblick der jungen Wölfe genossen. «Erst ein paar Tage später habe ich festgestellt, dass ich nicht nur Fotos, sondern auch Videoaufnahmen gemacht habe», sagt Furger. Und noch etwas wurde Furger erst im Nachhinein bewusst. «Erst beim Durchsehen der Fotos und der Videos zählte ich, dass es sieben Jungtiere sind und nicht fünf, wie vorher stets berichtet wurde.»

Furger behielt dieses einzigartige »Erlebnis erst einmal für sich. «Wenn die jungen Wölfe acht bis zehn Wochen alt sind, zieht das Wolfsrudel weiter. Mit Veröffentlichung des Videos wollte ich warten, bis es soweit ist», so der Naturliebhaber. Er habe verhindern wollen, dass es plötzlich einen «riesigen Auflauf» und viele Drohnen am Heinzenberg gebe.

Nicht nur «jöh»

Den Jungwölfen beim Spielen zuzusehen, das sei ja «echt putzig», sagt Furger. Und dennoch: «Nur ‹jöh› sind die jungen Wölfe natürlich nicht», hält er fest. Die Wölfe seien im Gebiet Heinzenberg, Safiental, Hinterrhein unterwegs, einem besiedelten Gebiet sowohl mit touristischer wie auch landwirtschaftlicher Nutzung. Furger wäre nicht überrascht, wenn es zu schwierigen Situationen zwischen Mensch und Tier kommt. Auch, weil die Wölfe im Winter dem Wild in die Nähe der Siedlungen folgten. Doch Naturliebhaber Furger ist Optimist: «Ich denke, wir schaffen das. Wir müssen einfach den Umgang mit dem Wolf neu erlernen.»

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