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Schweiz und Welt

Bündner demonstrieren virtuell gegen die Demonstranten

Anna Panier (paa)
27.03.2021, 04:30 Uhr
gestern um 12:16 Uhr

Jeweils samstags haben in den vergangenen Wochen unter anderem in Chur, Wohlen und Liestal jeweils mehrere tausend Personen gegen die Corona-Massnahmenpolitik demonstriert. Viele der Demonstrierenden trugen weder Masken noch hielten sie Abstand. Gegenüber diesem Verhalten wurde in den letzten Tagen vermehrt Kritik geübt.

Tausende demonstrieren in Liestal gegen Corona-Massnahmen

In den sozialen Medien wurde nun sogar eine virtuelle Gegendemonstration gestartet. Unter dem Hashtag #noliestal setzen sich verschiedene Personen dafür ein, die Corona-Massnahmen zu beachten. Personen, die hinter den Corona-Massnahmen stehen, und sich für deren Einhaltung einsetzen, posten Bilder, versehen mit dem Hashtag #noliestal.

Wellen geschlagen ...

Die Aktion ins Leben gerufen hat Nils Althaus. Der Berner Schauspieler verkündete am Donnerstag auf seinem Twitter-Account, er wolle für frühe und wirksame Massnahmen, für Masken und gegen weitere Wellen sowie gegen die Rücksichtslosigkeit von Liestal demonstrieren, und das ohne andere anzustecken. Unterstützt wurde Althaus bei seinem Vorhaben von der SP-Politikerin Lea Kusano. Gemeinsam riefen sie am Donnerstag zur virtuellen Gegendemonstration auf.

Ich demonstriere, aber ohne andere anzustecken.
Für frühe und wirksame Massnahmen. Für Masken. Gegen weitere Wellen. Gegen die Rücksichtslosigkeit von Liestal.
Demonstrierst du mit?

Dann schreib #NoLiestal zu deinem Bild dazu.
Die Vernünftigen sind mehr.#NoCovid#NoAltdorfpic.twitter.com/N60phSoOKs

— Nils Althaus (@NilsAlthaus) March 25, 2021

... auch in Graubünden

Unter den Beiträgen in den sozialen Medien sind auch einige bekannte Bündner Gesichter zu finden. So schreibt etwa Nationalrat Jon Pult von der SP Graubünden auf Twitter: «Um 16.45 Uhr ist der Tweet schon ein wenig wie die alte Fasnacht. Doch die Botschaft bleibt wichtig. Nur Vernunft und Solidarität bringen uns durch diese Krise #noliestal». In der Kommentarspalte erntet der Bündner Politiker viel Zustimmung.

Um 16:45 Uhr ist der Tweet schon ein wenig wie die alte Fasnacht. Doch die Botschaft bleibt wichtig. Nur Vernunft und Solidarität bringen uns durch diese Krise #NoLiestalpic.twitter.com/k5QKVNrNBr

— Jon Pult (@jonpult) March 25, 2021

Und auch der Bündner Musiker Reto Kaufmann, Frontman der Band Kaufmann, hält auf Instagram ein Blatt in die Kamera mit der Aufschrift #noliestal. Er sagt dazu: «Mit dem Post geht es mir nicht darum, anders Denkende in eine Schublade zu packen und alle als Verschwörungstheoretikerinnen und Verschwörungstheoretiker zu bezeichnen, welche an solchen Demos teilnehmen.» Er habe schlicht einfach kein Verständnis für solche Aktionen.

Zudem habe Kaufmann für sich selber feststellen müssen, dass es aktuell enorm schwierig oder gar nicht erst möglich sei, mit Menschen zu diskutieren, welche eine andere Meinung vertreten. «Informationen fliessen auf allen Kanälen, der Algorithmus von Social Media spaltet unsere Gesellschaft.» Fake News und auch Verschwörungstheorien verbreiteten sich wie Lauffeuer, erklärt der Musiker.

Jeder scheine zu wissen und davon überzeugt zu sein, was die Wahrheit sei. «Und die Wahrheiten, welche auf solchen Demos ‹offenbart› werden, erscheinen mir oft als zu einfach und teilweise absurd», sagt Kaufmann auf Anfrage und stellt klar: «Fakt ist, die Pandemie existiert und wir benötigen Massnahmen, um diese Pandemie zu stoppen.»

Verständnis für Frust

Er selbst ist als Musiker auch von der Krise betroffen. Seit über einem Jahr spiele er keine Konzerte mehr und versuche sich bestmöglich an die Massnahmen zu halten, damit ein normales Leben wieder möglich werde. «Klar, die Einschränkungen nagen auch an mir, die psychische Belastung ist enorm, daher verstehe ich den Frust der Menschen absolut. Ich glaube aber nicht, dass es die Lösung ist, ohne Maske zusammen mit tausenden von Menschen zu demonstrieren. Eher im Gegenteil, solche Aktionen führen dazu, dass wir noch länger im Lockdown bleiben müssen», so Kaufmann.

Mit dieser Meinung steht Kaufmann nicht alleine da. Allein auf Twitter waren am Freitag rund 30'000 Beiträge unter dem Hashtag zu finden, auf Instagram findet man über 700 Bilder mit dem Hashtag #noliestal.

30'000 #NoLiestal-Tweets für Rücksichtnahme, Wissenschaftlichkeit und frühe, gezielte Virus-Eindämmung anstatt späte Massnahmen mit viel grösseren Kollateralschäden. Das wart ihr. Danke.#NoCovid

10 vor 10 vom 25.03.2021 https://t.co/twTDBcHYsh via @SRF

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— Nils Althaus (@NilsAlthaus) March 26, 2021
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