Bündner Baukartell machte der Weko mit am meisten Arbeit
Das Bünder Baukartell hat die Weko auch im vergangenen Jahr so stark beschäftigt, wie kaum ein anderer Fall. Es ist aber nicht der einzige, denn in auffallend vielen Weko-Fällen ist die Baubranche involviert, wie die Wettbewerbsbehörde am Dienstag an ihrer Jahresmedienkonferenz mitteilte. Auch im laufenden Jahr hat die Weko neben dem Bündner Baukartell bereits ein weiteres mutmassliches Baukartell ins Visier genommen: Sie eröffnete eine Untersuchung gegen zwei Berner Belagswerke und deren Aktionäre.
Die intensive Bekämpfung von Absprachen bei öffentlichen Auftragsausschreibungen in den letzten zehn Jahre zahle sich aber aus, heisst es weiter. So sei in die Prävention, die Aufdeckung und Untersuchung in diese so genannten Submissionsabreden investiert worden. Mit der Entwicklung eines statistischen Instruments kann die Weko nun entsprechende Abreden einfacher aufdecken.
Mehr als 400 Assschreibungen betroffen
Vor gut einem Jahr haben die Wettbewerbshüter mit dem Entscheid «Engadin I» die achte von insgesamt zehn Untersuchungen zum Bündner Baukartell abgeschlossen. Der bisher grösste Fall von Preisabsprachen im Schweizer Baugewerbe habe hohe Wellen geschlagen, sagte Weko-Präsident Andreas Heinemann am Dienstag an der Jahresmedienkonferenz der Behörde.
Mehrere Baufirmen hätten an eigens dafür einberufenen und vom lokalen Baumeisterverband teilweise mitorganisierten Treffen die Vergabe von Bauprojekten im Unterengadin abgesprochen, erklärte Heinemann das Vorgehen. Dabei ging es darum, wer den Auftrag ausführt und welcher Preis offeriert wird.
Die Weko schätzt, dass über Jahre weit mehr als 400 Ausschreibungen vom Kanton, den Gemeinden und von Privaten manipuliert wurden. Das davon betroffene Auftragsvolumen übersteige 100 Millionen Franken deutlich, hiess es. Sieben Baufirmen wurden mit total 7,5 Millionen Franken gebüsst. Der Verband, der von Gesetzes wegen nicht mit einer Busse belegt werden kann, muss einen Teil der Verfahrenskosten tragen.