Beim Gleitschnee bewegt sich was
Gleitschneerutsche oder auch Bodenlawinen sind eigentlich ein Phänomen, das vor allem aus dem Spätwinter, respektive Frühling, bekannt ist. Dann öffnen sich an den schneebedeckten Hängen bis auf die Grasnarbe gehende Risse, die aussehen wie Mäuler von Fischen. Diese Fischmäuler, wie sie in der Fachsprache genannt werden, sind Warnsignale, dass die gesamte Schneeschicht instabil wird und abzugleiten droht. «Genau verstehen wir den dabei vorgehenden Mechanismus nicht», sagt James Glover, wissenschaftlicher Projektleiter am Institut für Bauen im alpinen Raum der Fachhochschule Graubünden. «Es wird jedoch vermutet, dass dabei Wasser zwischen dem Boden und dem Schnee eine grosse Rolle spielt.» Aus welchem Grund auch immer – Gleitschneerutsche werden zunehmend auch im Hochwinter und in den höheren Lagen zum Problem. «Sie entstehen schon bei einer geringeren Hangneigung als Lawinen und sind meistens kleinflächig.» Ausserdem sind solche Hänge oft stark durchnässt, und Sprengungen zeigen kaum Wirkung. So werden Gleitschneerutsche oberhalb von Verkehrswegen oder Pisten zu einer Gefahr. «Da kommt auf wenig Fläche schnell eine Lastwagenladung Schnee zusammen», erklärt Glover. Erschwerend sei ausserdem, dass sie kaum vorhergesagt werden könnten. Doch: «Niemand würde es verstehen, wenn unterhalb solcher Fischmäuler während Tagen oder Wochen alles gesperrt bliebe.» Also sucht man nach Mitteln und Wegen, um in der Praxis die Gefahr zu entschärfen.