Balanceakt in 200 Metern Höhe
Ein internationales Team von Industriekletterern und Slacklinern hat Ende Juni in einer Höhe von 200 Metern eine 800 Meter lange Highline über dem Unteren Segnesboden installiert. Auf dem zweieinhalb Zentimeter breiten Kunststoffband balancierten im Anschluss mehrere Slackliner – ohne Stange oder andere Hilfsmittel. Die Athleten sind während des Balanceakts nur durch eine kurze Leine gesichert.
Um die 800-Meter-Highline komplett zu überqueren, brauchte es jeweils mehrere Versuche. Die schnellste Überquerung gelang dem Deutschen Lukas Irmler. Er benötigte knapp 30 Minuten, während einige Athleten bis zu 90 Minuten unterwegs waren. Besonders spektakulär: Dem Schweizer Samuel Volery gelang ein Handstand in der Mitte der 800 Meter langen Highline. Ein solches Kunststück gelang bisher noch niemandem. Die Österreicherin Karin Doblander ist mit der erfolgreichen Überquerung der Highline die zweitlängste Strecke gegangen, die eine Frau je auf einer Highline zurückgelegt hat.
Etwas Pech hatte hingegen Annalisa Casiraghi. Die Italienerin stürzte 100 Meter vor dem Ziel in die Sicherung und verpasste diese Marke nur knapp. Alles in allem wurde über dem Unteren Segnesboden Slacklinen auf Weltklasseniveau gezeigt.
Vom Winter zum Sommer
Während sich die Athleten mit der Highline vergnügten, waren Industriekletterer bereits mit dem nächsten Projekt beschäftigt. Neben dem Wasserfall des Unteren Segnesbodens haben sie eine Kunstinstallation aufgebaut. Eine Skulptur in Form eines Wasserkristalls bestehend aus 400 Metern Seil und 18 Hängematten. Sie wurden vor der mächtigen Felswand hochgezogen. Diese Installation, die noch bis Ende Juli hängt, symbolisiert die enorme Kraft des Wassers bei der Erosion in der Gebirgslandschaft des Welterbes Sardona. Passend erlebten die Slackliner noch den Übergang vom tiefen Winter in den Hochsommer in nur wenigen Tagen. Während der Flem Anfang Woche noch ein kleines Rinnsal war, verwandelte er sich jeweils gegen Ende des Tages in einen Wildbach voller Geröll.
Aufbau ohne Helikopter
Die Highline oberhalb von Flims wurde seit mehr als einem Jahr geplant. Diverse Bewilligungen mussten eingeholt, Sponsoren gesucht und Material-Spezialanfertigungen gebaut werden. Die Organisatoren wollten den Aufbau ausserdem ohne Helikopter ausführen. Denn es sei eine Spezialität des Slacklinesports, auch bei solch grossen Projekten mit leichten und modularen Materialien zu arbeiten.
Zuerst mussten die beiden Verankerungen rund 200 Meter über dem Segnesboden miteinander verbunden werden. Das zehnköpfige Aufbauteam traf dabei auf winterliche Bedingungen – weshalb Schneeschuhe und Tourenski zum Einsatz kamen. Mit einer hochfesten 4-Millimeter-Schnur wurde die Verbindung gelegt. Mit deren Hilfe wurde dann ein Seil mit gut sichtbaren Windfahnen, Infrarotlampen und orangen Bojen für die Signalisation des Luftraums in die Höhe gezogen.
In einem zweiten Schritt erfolgte in Handarbeit das Spannen der Highline. Die geringe Spannung von 300 Kilogramm und das leichte Material erlaubten den Einsatz von Seilflaschenzügen und entfernbaren Ankern. Dies gestaltete den Aufbau im Unesco-Welterbe besonders umweltschonend. (red)