Auf dem Rossboden üben ohne «nervtötendem Schiesslärm»
In und um Chur werden seit einigen Wochen Unterschriften für die Volksinitiative «Schutz vor Schiesslärm» gesammelt. Die Initianten möchten den Schiesslärm vom Churer Rossboden einschränken. Wir haben mit Daniel Steiner, Kommandant des Waffenplatzes Chur, und mit Mitinitiant Marcel Carigiet gesprochen.
Zunächst die Fakten:
- Bis 2017 waren in Chur meist zwei Kompanien pro Jahr stationiert – der Waffenplatz war 20 bis 30 Wochen pro Jahr belegt.
- Seit 2018 sind in Chur jährlich immer drei bis vier Kompanien untergebracht – dadurch wird der Waffenplatz pro Jahr während 46 Wochen genutzt.
- Die Nutzung des Waffenplatzes hat sich ob der erhöhten Anzahl Kompanien intensiviert.
- Die Anzahl Nachtschiessen hat sich verdoppelt (bis 2017: 35 bis 45. Seit 2018: 80 bis 90)
- Auch die Durchgangssperrungen haben sich erhöht. Dies jedoch auch aufgrund der intensiveren Nutzung durch die Zivilbevölkerung.
- Die Art der eingesetzten Waffen hat sich in den vergangenen zehn Jahren nicht wesentlich verändert.
Die seit gut zwei Wochen laufende Unterschriftensammlung für die Volksinitiative «Schutz vor Schiesslärm» ist laut Marcel Carigiet gut angelaufen. Diese Woche werden die Initianten in der Stadt zugegen sein und weitere Unterschriften sammeln sowie Unterschriftenbögen verteilen. Für das Zustandekommen der Initiative braucht es 800 Unterschriften. Die Initianten haben zum Sammeln bis Ende August 2020 Zeit.
Sie fordern von der Stadt Chur, dass sie die Betreibung von Schiessanlagen auf Gemeindegebiet regelt. Das Naherholungsgebiet Rossboden soll auch als solches genutzt werden können, was inmitten von «nervtötendem Schiesslärm» nicht möglich sei, sagt Initiant Carigiet auf Anfrage. Man sei nicht gegen das Militär, einfach gegen das laute Schiessen, das mitunter auch zu später Stunde stattfinde. Carigiet schlägt vor, Schiessübungen nach Brigels, S-chanf oder Hinterrhein zu verlagern.
Die Schiessplätze der Armee in Graubünden
Auftrag der Bevölkerung
Laut Daniel Steiner, Kommandant des Waffenplatzes und der Infanterie Rekrutenschule Chur, ist der Schiessplatz Hinterrhein bereits heute ausgelastet. Dazu sagt Initiant Carigiet, dieses Problem zu lösen sei Aufgabe der Armee, «In Chur hören 50'000 Leute jeden Knall. In Hinterrhein, Brigels oder S-chanf würden weniger Leute unter dem Schiesslärm leiden». Chur hatte bis jetzt Verständnis für den Schiesslärm, so Carigiet weiter. Und: «Ein solches Verständnis müssten nun eben auch Einwohner anderer Orte aufbringen.»
Für Kommandant Steiner erfüllt die Armee einen Auftrag, hinter dem die Bevölkerung grossmehrheitlich stehe. Dass der Waffenplatz Chur in den vergangenen Jahren wieder stärker genutzt wurde, habe mit der Umstellung des Ausbildungsmodells der Armee im Zuge der Weiterentwicklung der Armee zu tun, so Steiner. In der Tat würde der Waffenplatz Chur seit dem Jahr 2018 pro Jahr während 46 Wochen genutzt. Dabei würden 80 bis 90 Nachtschiessen durchgeführt. Bis 2018 betrug die Auslastung 20 bis 30 Wochen mit 35 bis 45 Nachtschiessen pro Jahr. Dazu gehören laut Steiner auch Immissionen wie beispielsweise Schiesslärm.
Das schwere Geschütz soll aus Chur abziehen
Keine Artilleriegeschosse in Chur
Dass in Chur auch Artilleriegeschosse abgefeuert würden, wie im Text der Initiative steht, verneint Steiner. In Chur werden alle Waffensysteme der Infanterie abgefeuert, also Sturmgewehr, Pistole und Maschinengewehr. Dazu sagt Carigiet, dass er sich in Sachen Schiessen und Munition nicht auskenne. Zwischendurch gebe es aber sehr laute Knalle. Von welchen Waffengattungen diese stammen, weiss der Initiant nicht. Diese müssten einfach reduziert werden.
Reklamationen habe es in der Vergangenheit immer wieder gegeben, sagt Steiner. Diese seien aber eher selten. Und oft von denselben Leuten gemacht worden. Zur Initiative nimmt die Armee laut Steiner keine Stellung
Kommen 800 Unterschriften für die Initiative zusammen, geht diese in den Gemeinderat und kommt später möglicherweise auch vors Volk. (rac/phw)
Stört Euch der Schiesslärm in Chur?