Drama und Déjà-vu: Die Heim-WM endet für die Schweiz in Tränen
Die Schweiz muss weiter auf den ersten Weltmeistertitel im Eishockey warten. Sie verliert auch ihren fünften WM-Final seit 2013, den dritten in Folge. Wie im Endspiel des Vorjahres – damals erzielten es die USA – fällt das einzige Finaltor in der Verlängerung. Konsta Helenius trifft nach 70:42 Spielminuten mit seinem Schuss mitten ins Schweizer Herz und beschert Finnland den fünften Weltmeistertitel. Der 20-Jährige entscheidet ein grossartiges, intensives und packendes Spiel, das im Stadion in Zürich-Altstetten von einer einzigartigen Stimmung begleitet ist.
Das Spiel
Es sind zunächst die Finnen, die dem Spiel den Stempel aufdrücken. Die Schweizer sind im ersten Drittel primär am Reagieren und häufig in der eigenen Abwehrzone beschäftigt. Auf Goalie Leonardo Genoni ist Verlass. Richtig gefährlich wird es bei der Strafe gegen Calvin Thürkauf: Erst trifft in der 14. Minute Mikko Lehtonen die Torumrandung, dann bringt Anton Lundell den Puck im Tor unter. Der Stock des Stürmers ist aber deutlich zu hoch, das Tor wird annulliert. Die letzte Aktion in den ersten 20 Minuten gehört den Schweizern. Der Schuss von Timo Meier landet im Fanghandschuh von Justus Annunen.
Die Schweizer liegen nach dem ersten Drittel bei den Torschüssen mit 7:15 zurück, können den mittleren Abschnitt aber mit einer doppelten Überzahl beginnen. In diesen 1:55 Minuten bringen sie nichts zustande, trotzdem ist diese Situation ihr Türöffner in diesen Final. Sie sind jetzt deutlich aktiver als im ersten Drittel und bewegen die Beine und den Puck besser. Es entwickelt sich der erwartete harte Fight mit vielen Zweikämpfen an der Bande. Mehr und mehr übernehmen die Gastgeber – angeführt vom unermüdlichen Captain Roman Josi – die Kontrolle. In der 36. Minute kommen sie zu einer Topchance, Pius Suter bekommt die Scheibe nicht im weit offenen Tor unter. Die Finnen schleppen sich mit nur zwei Torschüssen im mittleren Abschnitt zur Pausensirene. Auch nach 40 Minuten steht es noch 0:0 – so wie auch in den WM-Finals 2024 und 2025.
Auch im dritten Drittel geht es mit aufopferungsvollem Eishockey auf beiden Seiten weiter. Weiterhin konzentriert und diszipliniert gehen die zwei Teams in der Defensive zur Sache. Und weil viele Schüsse geblockt werden, müssen die Goalies nur selten eingreifen. Immer mehr zeichnet sich ab: Eine einzige gelungene Aktion oder ein einziger Fehler könnte diesen Final entscheiden. Als je vier Feldspieler auf dem Eis stehen, zieht Josi aufs Tor. Annunen, sein Teamkollege bei den Nashville Predators, ist mit dem Schoner zur Stelle (53.). In der 56. Minute pariert der finnische Torhüter auch, als erneut Suter das 1:0 auf dem Stock hat.
Wie im Vorjahr wird der WM-Final nach torlosen 60 Minuten in der Verlängerung entschieden. In dieser stehen nur noch je drei Feldspieler auf dem Eis. 28 Sekunden sind gespielt, als der finnische Stürmer Jesse Puljujärvi den Pfosten trifft. Danach bekundet die Schweiz Pech, als Damien Riat an die Latte schiesst (64.). Es geht hin und her, bis es zur entscheidenden Situation kommt: Helenius, der Stürmer der Buffalo Sabres, verschafft sich mit dem Puck am Stock Platz, zieht vors Tor und bezwingt Genoni mit seinem Schuss auf der Fanghand-Seite.
Die HCD-Spieler und Bündner
Der künftige HCD-Stürmer Ken Jäger und der HCD-Abgänger Simon Knak zeigen in der «Energie-Linie» zusammen mit Damien Riat auch im Final eine starke Leistung. Gerade im ersten Drittel, als es der Schweiz noch nicht wie gewünscht läuft, ist auf diese Formation auch mit spielerischen Akzenten jederzeit Verlass. Jäger spielt zudem wieder in Unterzahl einen wichtigen Part. Bitter für Jäger aber: Er ist es, der Helenius bei dessen Tor nicht am Abschluss hindern kann. Der Churer NHL-Stürmer Nino Niederreiter ackert in seinem fünften WM-Final während der gesamten Partie an der Bande und vor dem gegnerischen Tor und gewinnt viele Zweikämpfe. Dominik Egli, der ab der kommenden Saison wieder in der HCD-Abwehr steht, macht an der Seite von Josi eine fehlerlose Partie und bekommt Szenenapplaus, als er in der 57. Minute Konsta Helenius mit einem Check über die Bank befördert. HCD-Verteidiger Sven Jung ist in diesem Final als siebter Verteidiger auf dem Matchblatt, er kommt aber nicht zum Einsatz. Verteidiger Lukas Frick vom HC Davos ist abermals überzählig, er wird bei dieser WM nur im Gruppenspiel gegen Grossbritannien eingesetzt.