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Politik

Wer nicht wählt, soll schweigen

Die National- und Ständeratswahlen im Kanton Graubünden sind vorbei. Prognosen wurden gemacht, verworfen, neu aufgestellt und widerlegt. Der Spuk ist vorüber, die unzähligen Plakate an Hauswänden und auf Zugwaggons können endlich abgehängt werden.
22.10.2019, 04:30 Uhr
19.05.2026, 12:10 Uhr

Was nach diesem Wahlsonntag bleibt, ist eine Zahl. Die Prozentzahl der Wahlbeteiligung. In Graubünden gingen 42.9% der Stimmberechtigten an die Urne. 3.1% weniger als 2015. Im Jahr des Frauenstreiks, der aufstrebenden Klimajugend und einem generellen politischen Umdenken in Richtung Nachhaltigkeit und Sozialgerechtigkeit.

Es spielt überhaupt keine Rolle, was die 57.1% Nichtwähler davon abgehalten hat, wählen zu gehen. Es ist egal, ob bei ihnen das Couvert ungeöffnet im Altpapier gelandet ist, ob die Stimmunterlagen ausgefüllt in einer Handtasche vergessen gingen oder ob die Nichtwähler zu bequem waren, sich mit den Kandidierenden zu befassen. Wählen ist keine Pflicht. Wählen ist auch nur bedingt ein Privileg. Wählen ist das Wahrnehmen einer Verantwortung. Nicht-Wählen ist das Nicht-Wahrnehmen dieser Verantwortung. Jede Handlung hat Konsequenzen. Jede Unterlassung auch. Die Bündner haben am Sonntag ihre Vertreter nach Bern geschickt. In ihrer Verantwortung als Stimmbürger. Die Gewählten im Bundeshaus haben die Aufgabe, sich für die Bündner einzusetzen. Ihr Handeln in Bern hat Konsequenzen für die Bevölkerung Graubündens. Auch für jene Menschen, die ihre Wahlunterlagen nicht eingereicht haben. Sie müssen mit den Konsequenzen leben, die aus dem Handeln von anderen resultieren. Von denen, die gewählt haben. Das kann frustrierend sein. Bloss: Beschweren dürfen sich die Nichtwähler nicht. Es spielt keine Rolle, wann und wie sie betroffen sind. Auch wenn ihnen ihr Hab und Gut unter dem Hintern weggezogen würde. Die Nichtwähler haben ihre Verantwortung nicht wahrgenommen. Sie haben die Verantwortung abgegeben und müssen mit den Folgen leben. Mucksmäuschenstill.

Die Wähler hingegen können sich auf vier Jahre des Diskutierens und Debattierens, des Stänkerns und Lamentierens, des Maulens und Kritisierens freuen. Dazu haben sie nämlich jedes Recht. Sie haben gewählt.

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