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Politik

Sozialhilfequote sinkt auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren

Die Glarner Sozialhilfequote ist auf 1,8 Prozent gesunken. Das entlastet auch die Kasse des Kantons. Für die sinkende Zahl der Sozialhilfebezüger macht der Kanton neben Förderprogrammen auch Härte verantwortlich.
Ueli Weber
19.12.2017, 04:30 Uhr
19.05.2026, 12:10 Uhr

Die Sozialhilfe ist das letzte Rettungsnetz für alle, die nicht genug zum Leben haben. Der Anteil der Bezüger bewegte sich im Glarnerland von 2008 bis 2014 zwischen 2,2 und 2 Prozent. Bis Ende letzten Jahres ist die Sozialhilfequote auf 1,8 Prozent gesunken. Gleichzeitig sind auch die Ausgaben des Kantons gefallen. Im vergangenen Jahr kostete die Sozialhilfe den Kanton knapp fünf Millionen Franken.

2014 waren es noch 6,6 Millionen Franken. 722 Menschen waren im vergangenen Jahr auf Sozialhilfe angewiesen. Mit einer Quote von 1,8 Prozent liegt das Glarnerland deutlich unter dem Landesmittel von 3,2 Prozent. «Das ist nicht selbstverständlich», sagt Andreas Zehnder, der die Hauptabteilung Soziales beim Kanton Glarus leitet. «Wir setzen auf die Strategie Fördern und Fordern», erklärt er.

Dazu gehöre etwa eine Fachstelle, die Jugendliche und junge Erwachsene ohne Ausbildung unterstützt. Gerade bei dieser Bevölkerungsgruppe sank die Sozialhilfequote deutlich. 2016 machten junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren noch 9,4 Prozent aller Sozialhilfebezüger aus. Andererseits sei der Kanton streng, wenn sich jemand unkooperativ zeige, sagt Zehnder: «Wenn Sozialhilfebezüger nicht bereit sind, sich zu engagieren, kürzen wir Leistungen.»

«Asylbereich im Auge behalten»

Die Gemeinde Glarus hat mit 2,2 Prozent eine höhere Quote als ihre beiden Nachbargemeinden, deren Quoten bei 1,7 Prozent liegen. Die Zahl der Sozialhilfefälle sank in allen Gemeinden. Im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen sind Geschiedene und Ausländer besonders häufig von Sozialhilfe abhängig.

Ausländer machen etwas über 40 Prozent der Sozialhilfebezüger aus. Der abnehmende Trend werde sich nicht von alleine fortsetzen, warnt Zehnder. «Wir müssen den Flüchtlingsbereich dringend im Auge behalten», sagt er. Denn der Bund übernimmt die Sozialhilfe für anerkannte und vorläufig aufgenommene Flüchtlinge nur während fünf oder sieben Jahren. Dann bezahlt der Kanton.

Der Regierungsrat hat kürzlich ein Programm verlängert, das Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integrieren soll. Die Massnahme zeigte Erfolg: Die Erwerbsquote von anerkannten Flüchtlingen liegt im Kanton Glarus bei 38,4 Prozent, höher als in allen anderen Kantonen.

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