Schiessen oder schliessen
Alle Schiessanlagen in der Schweiz sollen mit emissionsfreien, künstlichen Kugelfängen ausgerüstet werden. So will es der Bund. Dies, um zu verhindern, dass Schadstoffe ins Erdreich gelangen. Werden die Schiessanlagen mit diesen Kugelfängen ausgestattet, erhält der Kanton Gelder vom Bund. Allerdings nur noch bis Ende 2020. Ansonsten entfallen diese Beiträge.
Doch knapp zwei Jahre vor Ablauf der Deadline sind im Kanton Graubünden gemäss dem Amt für Natur und Umwelt (ANU) rund die Hälfte der Schiessanlagen noch nicht mit den benötigten Kugelfängen ausgestattet. Das ANU schätzt, dass dem Kanton nach aktuellem Stand rund 5,6 Millionen Franken entgehen würden und hält fest, dass es die Gemeinden bereits 2009 und 2016 mit einem Brief auf die Problematik aufmerksam gemacht hat. Deshalb hat das Amt die Teilrevision des Umweltgesetzes in die Wege geleitet. Diese befindet sich seit Kurzem in der Vernehmlassung. Mit der Revision wird unter anderem die gesetzliche Grundlage geschaffen, um Schiessstände, welche die nötigen Kugelfänge nicht bis zum Termin installiert haben, zu sperren, bis die notwendigen Sanierungen vorgenommen wurden.
Aufwand mancherorts zu gross
Für einige Schiessstände bedeutet diese Vorgabe allerdings das definitive Ende. Carl Frischknecht, Präsident des Bündner Schiesssportverbands (BSV), schätzt, dass bis Ende 2020 ungefähr 13 Anlagen (zehn 300-Meter- und drei 25/50-Meter-Anlagen) keine Kugelfangsanierung vornehmen und somit schliessen würden. Dies wären mehr als zehn Prozent im «ausserdienstlichen Schiesswesen» (gesamthaft gibt es im Kanton Graubünden 109 Anlagen). Frischknecht rechnet, dass sich dadurch auch zehn bis 15 Vereine auflösen oder mit anderen Vereinen fusionieren werden.
Doch weshalb werden diese Kugelfänge nicht einfach installiert? «Aufgrund eines weiteren Sanierungsbedarfs bei einigen Schiessanlagen, wie Ersetzen der Trefferanzeigen oder anstehende Unterhaltsarbeiten bei Schützenhäusern und den Scheibenständen, müssten einige Schützenvereine respektive Gemeinden mit hohen Investitionen rechnen», erklärt Frischknecht. Viele Gemeinden würden sich deshalb auch aus finanziellen Gründen Gedanken machen, die Anlagen zu schliessen und sich für das Absolvieren des obligatorischen Schiessens bei benachbarten Gemeinden einzukaufen.