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Politik

Kein Krampf mehr mit der Schnüerlischrift

Ab dem Schuljahr 2018/19 lernen alle Bündner Erstklässler die Basisschrift. Sie ersetzt die Schnüerlischrift. Deshalb müssen sämtliche Schreibhefte in Romanisch und Italienisch neu erarbeitet werden.
Ursina Straub (us)
01.06.2017, 21:37 Uhr
19.05.2026, 12:10 Uhr

Von Hand schreiben ist ein Kulturgut wie Lesen und Rechnen», sagt Josy Jurt Betschart. Und so stehts im Lehrplan 21. Jurt Betschart hat die teilverbundene Schreibschrift mitent- wickelt. In Luzern wurde diese Basisschrift bereits vor sechs Jahren obligatorisch eingeführt. In Graubünden lernen die Erstklässlerinnen und Erstklässler die Basisschrift ab August 2018.

«Die Schnüerlischrift ist zwar schön», findet die Luzerner Pädagogin Jurt Betschart im Magazin «Rundgang» des Verlags Klett und Balmer, «aber sie ist schwierig zu schreiben. Die Schlaufen erfordern sehr präzise Bewegungen. Das führte zu Verkrampfungen.» Und: Die Schülerinnen und Schüler müssten zunächst die Steinschrift lernen und erst danach, sozusagen als zweite Schrift, die Schnüerlischrift. «Dieser Umweg entfällt mit der Basisschrift. Der Schrifterwerb wird zu einem organischen Prozess.»

Vor allem aber sollen die Kinder mit der Basisschrift schon früh zu einer eigenen Handschrift finden. In der ersten Klasse lernen sie zunächst die einzelnen Buchstaben in einer Blockschrift schreiben. Diese unterscheidet sich nur wenig von der Steinschrift. Und schon in der vierten Klasse sollen die Kinder ihre eigene, teilweise verbundene Handschrift entwickeln.

38 000 Franken für neue Bücher

Für Graubünden bedeutet die Einführung der Basisschrift mit dem Lehrplan 21, dass alle Schreibhefte für die romanischen Schulsprachen Sursilvan, Sutsilvan, Puter, Vallader und Rumantsch Grischun neu erarbeitet werden müssen. Dasselbe gilt für die Schreibhefte in Italienisch. Die Regierung heisst die Erarbeitung dieser Schreibhefte gut, wie sie in einer Mitteilung schreibt. Für die Erarbeitung der neuen Lehrmittel rechnet sie mit Kosten von 38 000 Franken.

Neue Buchstabenbilder

«Als Grundlage für die romanischen und italienischen Schreibhefte dient das deutsche Lehrmittel», erklärt Paul Engi vom kantonalen Amt für Volksschule und Sport. Eine Arbeitsgruppe sei daran, die Schreibhefte neu aufzusetzen und wo nötig, an die jeweilige Sprache anzupassen. So würden etwa die Illustrationen zu den Buchstaben teilweise ausgetauscht. Fachdidaktisch unterstützt werde die Arbeitsgruppe von der Pädagogischen Hochschule Graubünden.

Leichter und lieber

Der geistige Vater der Basisschrift ist der inzwischen verstorbene Glarner Schriftsetzer Hans Eduard Meier. Seine Buchstaben wurden für die Deutschschweizer Basisschrift weitgehend übernommen. Allerdings wurden die Formen und die Bewegungs- elemente den Bewegungen von Kindern angepasst, die ja Schreibanfänger sind. So wurden etwa die Proportionen der Schrift vereinheitlicht.

Paul Engi vom Amt für Volksschule und Sport sagt denn auch: «Die Basisschrift macht es den Schülerinnen und Schülern leichter, ein flüssiges und der persönlichen Entwicklung angepasstes Schreiben zu erlernen. Die Schnüerlischrift ist für einige Kinder grafomotorisch mit gewissen Schwierigkeiten verbunden.»

Übrigens hat ein Luzerner Forschungsprojekt offenbar ergeben, dass Dritt- und Viertklässler mit der Basisschrift leserlicher schrieben als Gleichaltrige. Und sie gaben auch öfter an, gerne zu schreiben.

Einführungskurse für Lehrer

Vor der Einführung der Basisschrift an Bündner Schulen müssen auch die Primarlehrerinnen und -lehrer wissen, wie die Schrift funktioniert. Sie werden deshalb ab nächstem Jahr an eintägigen Kursen mit der Basisschrift vertraut gemacht. Der Lehrplan 21 legt aber nicht nur Wert auf eine leserliche Handschrift. Er verlangt auch einen geläufigen Umgang mit der Tastatur und das Schreiben mit neuen Medien.

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