«Da wird eine Bergbahn ins Niemandsland gebaut»
Der geplante Neubau der Churer Brambrüeschbahn, über den am 19. Mai abgestimmt wird, gerät unter Beschuss. Und das von prominenter Seite: Thomas Domenig senior hat gar keine Freude an den Plänen der Stadt Chur und den Bergbahnen Chur Dreibünden-stein AG (BCD), die Bahn für 24 Millionen Franken direkt vom Stadthalleareal nach Brambrüesch hochzuziehen. Dass sich der Architekt und Immobilienunternehmer im Vorfeld der Abstimmung in die Diskussion über das Projekt einschaltet, hat einen Grund: Mit einem (inzwischen zurückbezahlten) Darlehen an die BCD von 7,5 Millionen Franken hatte Domenig den Ersatz der 2007 eingeweihten Pendelbahn zwischen Chur und dem Känzeli ermöglicht.
Abbruch kommt nicht in Frage
Dementsprechend enttäuscht zeigt sich Domenig vom Vorhaben der BCD und der Stadt, die erst zwölf Jahre alte Kabinenbahn abzubrechen und durch eine neue Anlage zu ersetzen. Für ihn kommt eine Stilllegung der erst zwölf Jahre alten Bahnanlage definitiv nicht in Frage. «Das ist Wahnsinn und herausgeworfenes Geld», erklärt er. Die Anlage könne mindestens noch 20 Jahre in Betrieb stehen, betont Domenig. Seiner Meinung nach reicht es deshalb vollkommen aus, die alte Gondelbahn der zweiten Sektion zwischen dem Känzeli und Brambrüesch zu ersetzen. «Das wäre für viel weniger als 14 Millionen Franken machbar.» Als Kalkulationsreferenz nutzt Domenig sein Hotel-Projekt von Minschuns im Münstertal. «Dort bauen wir als Verbindung ins Skigebiet eine Achtergondelbahn.» Diese sei zwar kürzer als die zweite Sektion nach Brambrüesch, könne aber trotzdem als Vergleich herangezogen werden.
Eine tolle Aussicht im Panoramarestaurant
Domenig kann sich vorstellen, der Mittelstation auf dem Känzeli ein Panoramarestaurant anzugliedern, anstatt diese beim Bau einer Direktverbindung nach Brambrüesch einfach stillzulegen. Dort könnten Touristen und Einheimische nach einer Fahrt mit der Brambrüeschbahn bei einem Mittag- oder Nachtessen die tolle Aussicht geniessen, sagt er. Und das wäre durchaus machbar. Domenig: «Die statischen Voraussetzungen sind durch verstärkte Fundamente bereits erfüllt. Diese haben wir bei der Sanierung der Mittelstation mit Blick auf einen allfälligen Bau des Restaurants eingebaut.»
Dass die Stadt 24 Millionen Franken in die Brambrüeschbahn investieren will, ist für Domenig «ein schlechter Witz». Denn die Transportanlage werde «gewissermassen in ein Niemandsland gebaut», stellt Domenig mit Blick auf den Ist-Zustand in Brambrüesch fest. Da gebe es bloss zwei veraltete Skilifte auf den Dreibündenstein und drei bis vier Gaststätten. «Sonst ist da ja nichts.» Damit liesse sich höchstens «ein paar Schulkinder und ein paar Einheimische anlocken». Touristenströme seien da selbst nach einem Neubau ebenso nicht zu erwarten wie ein rentabler Bahnbetrieb. Im Übrigen würde Domenig interessieren, warum die Talstation auf dem Stadthalleareal versetzt werden soll.
Keinen Franken investieren
Bereits in den vergangenen elf Jahren habe die Stadt jährlich 350 000 Franken Defizitbeitrag bezahlt. «Und mit der neuen Bahn dürfte auch dieser Betrag wesentlich überschritten werden, so Domenig. Brambrüesch sei deshalb kein Thema für potenzielle Investoren. «Ich würde dort jedenfalls keinen Franken investieren», versichert er. Seiner Meinung nach besteht ausserdem die Gefahr, dass sich die Stadt mit dem 24-Millionen-Projekt finanziell überfordert. Ihre Finanzen seien zwar momentan in Ordnung. «Schaut man sich aber alle Investitionen an, die in den nächsten Jahren geplant sind, wird es zwangsläufig zu einer Überschuldung der Stadt kommen», führt Domenig weiter aus.
Einen Namen geschaffen
Tom Leibundgut weist Domenigs Kritik zurück. Es gebe sehr wohl ein Konzept für die Entwicklung in Brambrüesch, kontert der Churer Stadtrat und BCD-Verwaltungsratspräsident. «Im Gegensatz zu Domenigs Hotel-Projekt im Münstertal läuft auf Brambrüesch einiges», sagt er. Das Naherholungsgebiet sei inzwischen zu einem Bikerparadies geworden. Auch die Wanderangebote seien stetig ausgebaut worden. «Und bei den Wintersportanlagen arbeiten wir an Verbesserungen.» Diese Entwicklung könne aber nur dann fortgesetzt werden, wenn man eine Bergbahn baue, welche die Gäste ohne Wartezeiten auf den Berg transportieren könne.
Stadtpräsident Urs Marti geht mit Domenig einig, dass es in Brambrüesch bezüglich Angebot noch Pendenzen gibt. Mit dem Bau einer neuen Bergbahn und der damit verbundenen Verlegung der Talstation könne als Nebeneffekt aber die Wertschöpfung des Stadthallenareals durch andere Nutzungsformen erhöht werden. Es sei höchste Zeit, die «völlig veraltete Stadthalle durch etwas Neues zu ersetzen», so Marti.