Ende Oktober werden die Uhren wieder eine Stunde zurückgestellt. Ob die Zeitumstellung mit gesundheitlichen Veränderungen verbunden ist, untersuchte ein britisches Forschungsteam anhand umfangreicher Patientendaten. Die 2025 im Fachjournal «The BMJ» veröffentlichte Studie zeigt: In der Woche nach der Herbstzeitumstellung wurden weniger akute Herz-Kreislauf-Ereignisse medizinisch erfasst als in den Vergleichswochen.
Zeitumstellung im Herbst: Zwei Prozent weniger akute Herz-Kreislauf-Ereignisse
Die Forschenden analysierten Gesundheitsdaten von 683'809 Personen aus England. Berücksichtigt wurden Einträge aus Hausarztpraxen, Spitälern und Notaufnahmen zwischen 2008 und 2019. Die untersuchten Personen hatten rund um die Zeitumstellungen mindestens eines der erfassten gesundheitlichen Ereignisse.
Das Forschungsteam verglich die erste Woche nach der Umstellung mit den vier Wochen davor sowie der zweiten bis vierten Woche danach. Dabei lag die Rate der dokumentierten akuten Herz-Kreislauf-Ereignisse nach der Herbstzeitumstellung um rund zwei Prozent tiefer. Für diese Auswertung wurden Personen ab 40 Jahren berücksichtigt.
Auch bei anderen Beschwerden zeigten sich Unterschiede: Schlafstörungen wurden acht Prozent seltener erfasst, Depressionen vier Prozent und Angststörungen drei Prozent.
Eine mögliche Erklärung sind Veränderungen beim Schlaf und beim Tageslicht. Im Herbst wird die Uhr zurückgestellt, wodurch morgens früher Tageslicht zur Verfügung steht. Ob die untersuchten Personen tatsächlich länger schliefen oder wie viel Tageslicht sie erhielten, wurde allerdings nicht direkt gemessen.
Metaanalyse: Kein signifikanter Zusammenhang im Herbst
Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2024 fand nach der Herbstzeitumstellung keine statistisch signifikante Veränderung des Herzinfarktrisikos. Dafür werteten Forschende der Universität Köln zwölf Studien aus zehn Ländern aus.
Anders sah es bei der Umstellung auf die Sommerzeit im Frühjahr aus: Hier ergab die Auswertung Hinweise auf ein um rund vier Prozent erhöhtes relatives Herzinfarktrisiko. Allerdings unterschieden sich die Ergebnisse der einzelnen Studien innerhalb der Metaanalyse teilweise deutlich.
Was die Ergebnisse aussagen und was nicht
Die beiden Untersuchungen betrachteten unterschiedliche Krankheitsbilder. Während sich die Metaanalyse ausschliesslich mit Herzinfarkten befasste, erfasste die britische Studie ein breiteres Spektrum akuter Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zudem unterschieden sich die untersuchten Bevölkerungsgruppen, Datenquellen und statistischen Verfahren.
Die britische Untersuchung zeigt einen statistischen Zusammenhang zwischen der Herbstzeitumstellung und einer geringeren Rate dokumentierter akuter Herz-Kreislauf-Ereignisse. Ob das Zurückstellen der Uhren selbst dafür verantwortlich ist, lässt sich daraus nicht ableiten. Hinzu kommt, dass medizinische Diagnosen nicht immer am Tag der ersten Beschwerden erfasst werden.
Ob eine dauerhafte Winterzeit gesundheitliche Vorteile hätte, bleibt offen. Beide Untersuchungen konzentrieren sich auf Veränderungen rund um die Zeitumstellung und erlauben keine verlässlichen Aussagen über die langfristigen Folgen einer ganzjährigen Zeitregelung.