Wildunfall in der Schweiz: Diesen gefährlichen Fehler machen viele Autofahrer | Südostschweiz
Panorama
Wildunfall in der Schweiz: Diesen gefährlichen Fehler machen viele Autofahrer
Im Herbst steigt die Gefahr von Wildunfällen. Wer ein Tier anfährt, muss sofort handeln. Einfach weiterzufahren oder das verletzte Tier anzufassen, ist keine Option.
Ein Reh taucht plötzlich im Scheinwerferlicht auf, ein Hirsch rennt über die Fahrbahn oder ein Fuchs wird vom Auto erfasst: Besonders im Herbst und Winter müssen Autofahrerinnen und Autofahrer in der Schweiz jederzeit mit Wildtieren auf der Strasse rechnen. Kommt es zu einer Kollision, zählt jedoch nicht nur das richtige Verhalten während des Zusammenstosses. Auch danach müssen klare Regeln beachtet werden.
In Graubünden kommt es fast zweimal täglich zu einem Wildunfall
Wie häufig Tiere auf Schweizer Strassen geraten, zeigen die Zahlen aus Graubünden. Die Kantonspolizei registrierte 2025 insgesamt 659 Verkehrsunfälle, bei denen ein wildlebendes Tier auf die Fahrbahn gelaufen war.
Das entspricht durchschnittlich rund 1,8 Wildunfällen pro Tag. Bei 654 Ereignissen blieb es bei Sachschäden, fünf Unfälle endeten mit Personenschäden.
Im Jahr zuvor waren in Graubünden noch 683 entsprechende Unfälle registriert worden. Obwohl die Zahl leicht zurückgegangen ist, bleibt das Risiko gerade in einem weitläufigen Bergkanton mit vielen Waldgebieten erheblich.
Nach einem Wildunfall muss die Polizei verständigt werden
Nach einer Kollision sollten Autofahrer zunächst an einer sicheren Stelle anhalten, den Warnblinker einschalten und die Unfallstelle mit dem Pannendreieck absichern.
Anschliessend muss der Unfall unverzüglich der Polizei unter der Notrufnummer 117 gemeldet werden. Die Polizei bietet je nach Situation die zuständige Wildhüterin, den Wildhüter oder eine andere Fachperson auf.
Für die Meldung sind möglichst genaue Angaben wichtig:
Wo hat sich der Unfall ereignet?
Um welche Tierart handelt es sich?
Liegt das Tier noch auf oder neben der Fahrbahn?
Ist das Tier verletzt geflüchtet?
In welche Richtung ist es gelaufen?
Wurden Menschen verletzt oder weitere Fahrzeuge beschädigt?
Wer den genauen Standort nicht kennt, kann Strasse, Fahrtrichtung, nahe Abzweigungen, Gebäude oder andere markante Punkte nennen. Hilfreich ist ausserdem, sich die Fluchtrichtung des Tieres einzuprägen.
Dem verletzten Tier auf keinen Fall folgen
Ist ein verletztes Reh oder ein anderes Wildtier geflüchtet, sollten Autofahrer nicht selbst hinterherlaufen. Das Tier steht nach einer Kollision unter enormem Stress und kann unberechenbar reagieren.
Auch ein vermeintlich schwer verletztes Tier kann plötzlich aufspringen und Menschen mit Geweih, Hufen, Krallen oder Zähnen verletzen. Zudem erschwert es eine eigenständige Suche möglicherweise dem Wildhüter, die Spur des Tieres aufzunehmen.
Die Nachsuche gehört deshalb ausschliesslich in die Hände ausgebildeter Fachpersonen. Sie können das verletzte Tier aufspüren und es, falls notwendig, möglichst schnell von seinen Leiden erlösen.
Wildtier weder anfassen noch mitnehmen
Autofahrer sollten sich einem angefahrenen Wildtier nicht nähern und es nicht berühren. Das gilt unabhängig davon, ob es verletzt erscheint oder bereits tot ist.
Auch der Versuch, das Tier eigenständig von der Strasse zu ziehen, kann gefährlich sein. Wer die Unfallstelle wegen einer akuten Gefahr sichern muss, sollte die Polizei darüber informieren und deren Anweisungen befolgen.
Ein totes Tier darf ebenfalls nicht einfach ins Fahrzeug geladen und mitgenommen werden. Für die Bergung und den weiteren Umgang mit dem Tier sind die Wildhut beziehungsweise die zuständigen Behörden verantwortlich.
In der Bündner Jagdverordnung ist festgehalten, dass kranke oder verletzte Wildtiere sowie Fallwild unverzüglich der Wildhut gemeldet werden müssen.
Auch ein geflüchtetes Tier muss gemeldet werden
Nach einem Zusammenstoss laufen Rehe, Hirsche oder Füchse häufig weiter. Dass das Tier nicht mehr zu sehen ist, bedeutet jedoch nicht, dass es unverletzt geblieben ist.
Innere Verletzungen, Knochenbrüche oder schwere Prellungen sind von aussen oftmals nicht erkennbar. Ohne eine Meldung könnte das Tier über Stunden oder sogar Tage leiden.
Deshalb gilt die Meldepflicht auch dann, wenn das Tier nach der Kollision im Wald verschwindet. Die Wildhut entscheidet anschliessend, ob und wie eine Nachsuche durchgeführt wird.
Die Meldung ist zudem für die Versicherung wichtig. Polizei oder Wildhut können den Unfall dokumentieren und die notwendige Bestätigung ausstellen. Ohne einen entsprechenden Nachweis kann die Abwicklung eines Fahrzeugschadens schwieriger werden.
Gefährliche Ausweichmanöver vermeiden
Taucht ein Tier unmittelbar vor dem Auto auf, empfiehlt der TCS eine möglichst starke Bremsung. Gleichzeitig sollten Autofahrer das Lenkrad festhalten und auf ihrer Fahrspur bleiben.
Von einem panikartigen Ausweichmanöver wird abgeraten. Bei einem unkontrollierten Schlenker drohen Zusammenstösse mit dem Gegenverkehr, Bäumen, Leitplanken oder anderen Hindernissen. Ein solches Manöver kann deutlich schwerere Folgen haben als die direkte Kollision mit dem Wildtier.
Lässt es die Entfernung noch zu, sollten Autofahrer das Fernlicht ausschalten, die Geschwindigkeit verringern und versuchen, das Tier durch Hupen zu verscheuchen. Starkes Licht kann Wildtiere irritieren und dazu führen, dass sie mitten auf der Fahrbahn stehen bleiben.
Dabei ist zu beachten: Auf ein einzelnes Reh oder einen Hirsch können weitere Tiere folgen. Selbst wenn das erste Tier die Strasse bereits überquert hat, sollte deshalb nur langsam weitergefahren werden.
Zu diesen Zeiten ist die Gefahr besonders gross
Besonders häufig kommt es während der Morgen- und Abenddämmerung zu Wildwechseln. Nach Angaben des TCS ereignen sich viele Wildunfälle zwischen fünf und acht Uhr sowie zwischen 17 und 22 Uhr.
Erhöhte Aufmerksamkeit ist vor allem auf Strassen entlang von Wäldern, Feldern und unübersichtlichen Böschungen sowie in Bereichen mit Wildwarnschildern notwendig.
Im Herbst suchen die Tiere neue Futterplätze auf. Im Winter werden Rehe und Hirsche zudem von Salzresten an den Strassenrändern angezogen.
Autofahrer sollten dort das Tempo frühzeitig reduzieren und den Fahrbahnrand aufmerksam beobachten. Wer bereits langsamer unterwegs ist, kann bei einem plötzlich auftauchenden Tier schneller reagieren – und einen folgenschweren Zusammenstoss möglicherweise noch verhindern.