Wie lange dürfen Katzen alleine zu Hause bleiben?
Wer morgens zur Arbeit geht, über Nacht auswärts bleibt oder ein Wochenende verreisen möchte, steht als Katzenhalter vor einer wichtigen Frage: Wie lange kann die Katze ohne ihren Menschen zu Hause bleiben?
Wie lange kann eine Katze alleine bleiben?
Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Für eine gesunde, erwachsene Katze sind mehrere Stunden ohne menschliche Gesellschaft in der Regel kein Problem. Fressnapf hält bei Tieren, die daran gewöhnt sind, auch eine Nacht für vertretbar. Eine Abwesenheit von bis zu 24 Stunden sei meist akzeptabel, sofern Futter, Wasser und eine geeignete Umgebung vorhanden sind. Ein ganzes Wochenende ohne Betreuung wird dagegen bereits als grenzwertig eingestuft. Bis zu 48 Stunden können für erwachsene Tiere gängigen Empfehlungen zufolge im Einzelfall möglich sein, sollten aber nicht zur Gewohnheit werden.
Eine feste Grenze passt allerdings nicht zu jeder Katze. Ein ruhiges, erwachsenes Tier kann eine Abwesenheit anders verkraften als ein junges oder stark auf Menschen bezogenes. Auch Artgenossen spielen eine Rolle. Leben Katzen zusammen und verstehen sie sich gut, können sie sich gegenseitig Gesellschaft leisten.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Haltung einzelner Wohnungskatzen. Jana Inäbnit vom Schweizer Tierschutz kritisierte im SRF-News-Chat insbesondere Fälle, in denen eine einzelne Wohnungskatze regelmässig lange alleine ist, weil ihre Halter voll berufstätig sind. Freigänger haben dagegen eher die Möglichkeit, ausserhalb der Wohnung Kontakte und Beschäftigung zu finden.
So viele Katzenklos braucht man wirklich: Faustregel überrascht
gestern
Langes Alleinsein kann sich im Verhalten zeigen
Dass Katzen unabhängig wirken, bedeutet nicht, dass ihnen soziale Kontakte gleichgültig sind. Eine Studie mit 223 Katzen liefert Hinweise darauf, dass häufiges und langes Alleinsein mit trennungsbezogenen Verhaltensproblemen zusammenhängen könnte. In einer Analyse zeigte sich ein möglicher Zusammenhang zwischen entsprechenden Auffälligkeiten und Katzen, die mehr als sechs Stunden täglich sowie an fünf bis sieben Tagen pro Woche alleine waren. Insgesamt erfüllten 13,45 Prozent der untersuchten Katzen die von den Forschenden festgelegten Kriterien für mögliche trennungsbezogene Probleme. Einen ursächlichen Zusammenhang belegt die Untersuchung jedoch nicht.
Mögliche Anzeichen dafür, dass eine Katze mit dem Alleinsein nicht gut zurechtkommt, sind Unsauberkeit, anhaltendes Miauen, zerstörerisches Verhalten, Apathie oder Ängstlichkeit. Auch Fressnapf nennt Frust und fehlende Gewöhnung als mögliche Gründe dafür, dass Katzen beispielsweise Möbel zerkratzen, lautstark protestieren oder unsauber werden. Bei anhaltend extremem Verhalten sollte abgeklärt werden, ob gesundheitliche oder psychische Ursachen dahinterstecken.
Bei längerer Abwesenheit braucht es einen Catsitter
Wer länger weg ist, sollte eine Betreuung organisieren. Jana Inäbnit hält es für notwendig, dass mindestens zweimal täglich jemand nach den Katzen sieht. Dabei reicht es nicht, Futter bereitzustellen und die Toilette zu säubern. Die Betreuungsperson sollte auch prüfen, ob das Tier gesund und unverletzt ist.
Tierärztin Julie Schwechler weist im SRF-Chat darauf hin, dass manche Katzen durchaus einmal zwei Tage ohne ihre Bezugsperson zurechtkommen können. Bei regelmässigen Abwesenheiten von mehr als 24 Stunden empfiehlt sie jedoch zusätzliche Kontrollen. Eine Kamera kann dabei helfen, ersetzt aber keine Person, die bei einem Problem eingreifen kann. Für längere Abwesenheiten hält auch sie einen Catsitter für sinnvoll.
Fressnapf empfiehlt eine Betreuung, die ein- bis zweimal täglich vorbeikommt. Bei mehreren Katzen kann eine längere Abwesenheit unter dieser Voraussetzung vertretbar sein. Der Besuch sollte dabei nicht auf die Versorgung beschränkt bleiben: Eine vertraute Person sollte auch Zeit für Spiel und Zuwendung einplanen.
Für Kitten und kranke Katzen gelten andere Regeln
Katzenbabys sollten das Alleinsein erst lernen. Laut Fressnapf sollten Kitten in den ersten Wochen nach dem Einzug nicht alleine gelassen werden. Nach zwei bis drei Wochen kann das Training mit kurzen Abwesenheiten beginnen. Die Dauer wird anschliessend schrittweise von wenigen Minuten auf mehrere Stunden erhöht.
Auch alte, kranke oder besonders anhängliche Tiere brauchen häufiger Gesellschaft und Kontrolle. Nach einer Operation rät Fressnapf ausdrücklich davon ab, die Katze unbeaufsichtigt zu lassen. Das gilt ebenso bei Erkrankungen, bei denen im Notfall rasch jemand eingreifen muss.
Eine katzengerechte Wohnung erleichtert das Alleinsein
Wer tagsüber arbeitet, kann einiges dafür tun, damit die Stunden ohne Gesellschaft nicht langweilig werden. Kratzbäume, Klettermöglichkeiten, geeignetes Spielzeug und Plätze am Fenster schaffen Beschäftigung. Auch ein gesicherter Balkon kann Abwechslung bieten. Fressnapf empfiehlt zudem, vor dem Verlassen der Wohnung ausgiebig mit der Katze zu spielen.
Wichtig bleibt die Grundversorgung. Wasser, Futter und eine saubere Katzentoilette müssen verfügbar sein. Ebenso entscheidend ist die gemeinsame Zeit nach der Rückkehr. Wer regelmässig ausser Haus ist, sollte bewusst Zeit für Spiel, Körperkontakt und andere Formen der Beschäftigung einplanen.
Wie lange darf eine Katze nun alleine bleiben?
Für gesunde, erwachsene und ans Alleinsein gewöhnte Katzen sind mehrere Stunden normalerweise gut machbar. Eine Nacht kann ebenfalls funktionieren. 24 Stunden sind jedoch eher als Obergrenze für eine gelegentliche Abwesenheit zu verstehen und nicht als Dauerlösung.
Wer länger wegbleibt, sollte eine Betreuung organisieren. Bei Kitten sowie alten, kranken oder besonders menschenbezogenen Katzen ist schon früher Kontrolle und Gesellschaft nötig. Entscheidend sind neben der Dauer auch Charakter, Gesundheitszustand, Haltungsform und die Gewöhnung ans Alleinsein.