Migros-Umbau: Coop machte es vor 25 Jahren vor – mit Folgen | Südostschweiz
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Migros-Umbau: Coop machte es vor 25 Jahren vor – mit Folgen
Die Migros will ihre zehn Regionalgenossenschaften zusammenlegen und damit Kosten sparen. Konkurrent Coop hat diesen Schritt bereits vor 25 Jahren gemacht
Die Migros steht vor einem historischen Umbau. Die zehn regionalen Genossenschaften und der Migros-Genossenschafts-Bund (MGB) sollen zu einer einzigen Gruppengenossenschaft verschmelzen. Damit will der Detailhändler seine Führungsstrukturen vereinfachen, Doppelspurigkeiten beseitigen und seine Wettbewerbsfähigkeit stärken. Was die Migros nun plant, hat Konkurrent Coop bereits 2001 umgesetzt. Die damalige Reform zeigt, welche Vorteile eine Zentralisierung bringen kann und welche Probleme damit verbunden waren.
Coop scheiterte zunächst am Widerstand der Regionen
Der Weg zur einheitlichen Genossenschaft war für Coop nicht einfach. Bereits 1997 versuchte der Detailhändler mit dem Projekt «Regioforte», die Zahl seiner Regionalgenossenschaften auf sechs bis acht zu reduzieren. Doch einzelne Regionen wehrten sich und verhinderten die Reform.
Zwei Jahre später folgte ein neuer Anlauf. Unter dem Namen «Coopforte» schlug die Konzernführung diesmal die vollständige Zusammenlegung der Genossenschaften vor. Der weitergehende Plan fand 1999 breite Zustimmung und wurde 2001 umgesetzt.
Im Zentrum standen wirtschaftliche Überlegungen. Die eigenständigen Regionalgenossenschaften hatten es Coop erschwert, gemeinsame Strategien umzusetzen. Mit einer zentralen Führung und einer Aufteilung des operativen Geschäfts in sechs Regionen wollte das Unternehmen effizienter werden.
Auch die Migros will ihre bisherigen regionalen Führungs- und Verwaltungsstrukturen neu organisieren. Die Verwaltungen der zehn Genossenschaften und des MGB haben der geplanten Fusion einstimmig zugestimmt. Das letzte Wort haben allerdings die 2,3 Millionen Genossenschafterinnen und Genossenschafter. Sie sollen Mitte 2027 in einer Urabstimmung über den Umbau entscheiden.
Coop stellte Einsparungen in Aussicht
Die Erwartungen an die Coop-Reform waren hoch. Der damalige Konzernchef Hansueli Loosli rechnete mit Kostenvorteilen von mehreren hundert Millionen Franken. Bereits ab 2003, zwei Jahre nach der Zusammenlegung, sollte sich die neue Organisation finanziell auszahlen.
Coop straffte daraufhin seine Führungsstrukturen und bündelte insbesondere den Einkauf, die Logistik und die Informatik. Auch der Verwaltungsrat wurde deutlich verkleinert: Während das Gremium 2001 noch 23 Mitglieder zählte, waren es 2005 nur noch neun.
Die neue Struktur erleichterte zudem die Expansion. Coop übernahm in den folgenden Jahren unter anderem EPA, Waro und später Standorte von Carrefour.
Die Effizienzsteigerungen nutzte der Detailhändler auch für Preissenkungen. Allein 2005 verbilligte Coop sein Angebot um insgesamt 280 Millionen Franken. Wie hoch die Einsparungen durch die Genossenschaftsfusion tatsächlich ausfielen, wurde allerdings nie abschliessend ausgewiesen.
Auch die Migros verspricht sich von der Zentralisierung wirtschaftliche Vorteile. Eine einheitliche Organisation soll schnellere Entscheidungen ermöglichen, Investitionen erleichtern und günstigere Angebote für die Kundschaft schaffen. Konkrete Einsparziele nennt das Unternehmen in seiner Medienmitteilung vom 26. Oktober 2026 jedoch nicht.
Tausende Coop-Mitarbeitende waren vom Umbau betroffen
Die Fusion hatte auch Auswirkungen auf das Personal. Von den damals rund 45'000 Coop-Beschäftigten waren etwa 4500 von organisatorischen Veränderungen betroffen. Sie mussten sich teilweise auf neue Aufgaben, andere Vorgesetzte oder einen Wechsel des Arbeitsorts einstellen.
Für die Zeit bis Ende 2001 hatte Coop zunächst zugesichert, dass niemand wegen der Fusion seinen Arbeitsplatz verlieren werde. Später kündigte das Unternehmen allein in der Logistik den Abbau von 150 bis 215 Stellen an.
Gleichzeitig wurde das Netz der Verteilzentren gestrafft und die Warenverteilung stärker zentralisiert. In der Westschweiz ersetzte 2006 ein neues Logistikzentrum in Aclens mehrere bisherige Standorte. Mit der Neuorganisation wollte Coop jährlich mehr als 60 Millionen Franken an Prozesskosten einsparen.
Auch bei der Migros werden die Veränderungen nach Angaben des Unternehmens vor allem die Verwaltung und das Management der regionalen Genossenschaften sowie des MGB betreffen. Für die Beschäftigten in den Filialen soll sich dagegen wenig ändern.
Die Migros sichert zu, dass es in den regionalen Genossenschaften bis mindestens Mitte 2028 keine organisationsbedingten Entlassungen geben wird. Für die Zeit danach besteht keine entsprechende Garantie. Wo Stellen betroffen sind, will der Detailhändler nach Möglichkeit Anschlusslösungen innerhalb der Gruppe anbieten.
Coop geriet wegen Lieferantenbonus ins Visier der Weko
Die Zusammenlegung sorgte bei Coop nicht nur intern für Veränderungen. Auch mit Lieferanten kam es zu Konflikten. Nach der Fusion führte Coop einen sogenannten «Coopforte-Bonus» ein. Der Detailhändler verlangte von seinen Lieferanten einen pauschalen Abzug von 0,5 Prozent auf deren Rechnungen. Damit sollten Vorteile abgegolten werden, die den Lieferanten durch die neue Organisation nach Darstellung von Coop entstanden seien.
Der Abzug stiess auf Widerstand. Ende 2001 eröffnete die Wettbewerbskommission (Weko) eine Untersuchung wegen des Verdachts auf Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung. Im November 2004 endete das Verfahren mit einer einvernehmlichen Regelung. Coop verpflichtete sich, die Berechtigung des Bonus zu überprüfen und ihn unter bestimmten Voraussetzungen zurückzuerstatten.
Migros will sechs Regionalräte schaffen
Bei der geplanten Migros-Reform spielt die regionale Verankerung eine wichtige Rolle. Obwohl das Supermarktgeschäft künftig schweizweit aus einer Hand geführt werden soll, will der Detailhändler die Mitsprache der Regionen erhalten.
Dafür sind sechs Regionalräte vorgesehen. Sie sollen die Interessen ihrer Regionen vertreten und Delegierte für die nationale Delegiertenversammlung wählen. Je ein Regionalrat ist für die französischsprachige und die italienischsprachige Schweiz vorgesehen.
Auch am regionalen Sortiment soll sich nach Angaben der Migros nichts ändern. Die Produkte aus den Regionen sollen weiterhin erhältlich sein. Das Label «Aus der Region. Für die Region.» bleibt bestehen.
Die neue Gruppengenossenschaft soll künftig als Dach für sieben Geschäftseinheiten dienen: Migros Supermarkt, Migros Industrie, Denner, Migrol/Migrolino, Digitec Galaxus, Migros Bank und Medbase. Diese sollen weiterhin operativ eigenständig bleiben.
Migros-Chefs Irminger und Diethelm treten 2027 ab
Mit dem geplanten Umbau kommt es auch zu Veränderungen an der Unternehmensspitze. MGB-Chef Mario Irminger und Peter Diethelm, Chef der Migros Supermarkt AG, wollen ihre Funktionen auf den Zeitpunkt der Urabstimmung Mitte 2027 abgeben.
Beide werden dann 62 Jahre alt sein. Ihre Nachfolger sollen den mehrjährigen Umbau von Beginn an begleiten können. Diethelm wird die Transformation nach seinem Rücktritt bis Ende 2028 in einer unterstützenden Funktion begleiten.
Ob die Migros mit ihrer neuen Struktur ähnliche Kostenvorteile erzielen kann wie einst Coop, bleibt offen. Die Erfahrungen des Konkurrenten zeigen, dass die Zusammenlegung regionaler Genossenschaften eine schlankere Organisation und mehr Spielraum für die Expansion ermöglichen kann. Sie machen aber auch deutlich, dass eine solche Reform unter anderem Folgen für Mitarbeitende haben kann.
Zunächst muss die Migros allerdings eine entscheidende Hürde nehmen: die Zustimmung ihrer Genossenschafterinnen und Genossenschafter im kommenden Jahr.