Kindervelos im Kassensturz-Test: 130-Franken-Modell landet auf dem letzten Platz
Ein Kindervelo muss nicht nur zur Körpergrösse passen. Auch das Gewicht, die erreichbaren Bremshebel und ein ausreichend leichter Gang sind entscheidend. Gerade bei günstigen Modellen gibt es dabei offenbar deutliche Schwächen. Die SRF-Konsumentensendung «Kassensturz» hat gemeinsam mit dem TCS zehn vielverkaufte Velos untersuchen lassen.
Cube und Woom gewinnen den Kindervelo-Test
Den ersten Platz teilen sich Cube Numove 200 Disc und das Woom Go 4. Beide Modelle erreichen 77 von 100 möglichen Punkten und erhalten das Gesamturteil «gut».
Das Cube Numove 200 Disc kostete zum Testzeitpunkt 599 Franken. Es wiegt 8,1 Kilogramm und verfügt über acht Gänge sowie hydraulische Scheibenbremsen. Positiv bewerteten die Tester unter anderem die verstellbare Lenkerposition, den kleinen Berggang und das grosse Schaltspektrum. Auch die Bremshebel lassen sich besonders gut auf Kinderhöhe einstellen.
Kritik gab es dagegen an der fehlenden Glocke und den fehlenden Reflektoren an Vorder- und Rückseite.
Mit 609 Franken ist das Woom Go 4 geringfügig teurer. Dafür ist es mit 7,6 Kilogramm das leichteste Velo im Test. Es besitzt sieben Gänge, ergonomische Griffe und eine verstellbare Lenkerposition. Abzüge gab es für die schmalen Pedale und die ebenfalls fehlende Glocke.
Die wichtigsten Ergebnisse im Vergleich:
- Cube Numove 200 Disc: 599 Franken, 77 von 100, 8,1 Kilogramm
- Woom Go 4: 609 Franken, 77 von 100, 7,6 Kilogramm
- Scott Contrail 200: 449 Franken, 73 von 100, 8,35 Kilogramm
- Stitch Stargirl: 129.90 Franken, 56 von 100, 11,5 Kilogramm
Dieses günstigere Kindervelo bleibt nah an den Testsiegern
Wer keine 600 Franken für ein Kindervelo ausgeben möchte, findet im Test eine interessante Alternative. Das Scott Contrail 200 kostet 449 Franken und erreicht 73 von 100 Punkten. Damit liegt es lediglich vier Punkte hinter den beiden Testsiegern, ist aber 150 beziehungsweise 160 Franken günstiger.
Das Scott wiegt 8,35 Kilogramm und verfügt über sieben Gänge. Positiv fiel insbesondere der grosse Verstellbereich des Sattels auf. Dadurch lässt sich das Velo länger an ein wachsendes Kind anpassen.
Allerdings besitzt auch dieses Modell keine Glocke. Zudem lässt sich der Sattel laut Test nicht horizontal verstellen. Ob das Scott für ein bestimmtes Kind tatsächlich die beste Alternative ist, sollte deshalb unbedingt bei einer Probefahrt geprüft werden.
Das Modell erhielt von «Kassensturz» keine eigene Auszeichnung als Preis-Leistungs-Sieger. Es fällt jedoch beim Vergleich von Preis und Gesamtpunktzahl als deutlich günstigere Alternative zu den beiden Gewinnern auf.
Günstigstes Kindervelo ist gleichzeitig das schwerste
Am anderen Ende der Rangliste landet das Stitch Stargirl. Das bei Gonser gekaufte Velo kostete zum Testzeitpunkt lediglich 129.90 Franken. Mit 56 von 100 Punkten erhält es als einziges Modell lediglich das Gesamturteil «genügend».
Einer der grössten Nachteile ist das Gewicht. Das Stargirl bringt 11,5 Kilogramm auf die Waage und ist damit das schwerste Kindervelo im Test. Zum Vergleich: Das siegreiche Woom wiegt nur 7,6 Kilogramm. Das günstige Stitch-Modell ist somit 3,9 Kilogramm beziehungsweise rund 51 Prozent schwerer.
Für ein Kind kann dieser Unterschied erheblich sein. Ein schweres Velo benötigt beim Anfahren und an Steigungen mehr Kraft. Auch das Anheben über einen Randstein oder ein anderes Hindernis wird schwieriger.
Weitere Kritikpunkte waren der grosse Abstand zwischen Bremshebel und Lenker, der hohe Kraftaufwand beim Bremsen sowie das kleine Schaltspektrum. Zudem war der leichteste Gang vergleichsweise schwer und der Erstaufbau aufwendig.
Der Verkäufer Gonser erklärte gegenüber «Kassensturz», dass die Hinweise zur Bedienbarkeit, zu den Bremsen und zur Schaltung bei möglichen Verbesserungen berücksichtigt würden.
Auch Scheibenbremsen garantieren kein gutes Ergebnis
Das Rockrider Explore 900R von Decathlon zeigt, dass eine vermeintlich hochwertige Ausstattung allein nicht ausreicht. Das Velo kostet 349.90 Franken, besitzt acht Gänge und mechanische Scheibenbremsen. Trotzdem reicht es mit 61 Punkten nur für den vorletzten Platz.
Ein Problem war der Abstand zwischen Bremshebel und Griff. Für kleinere Kinderhände war der Hebel teilweise nur schwer erreichbar. Das Modell ist mit 10,2 Kilogramm zudem relativ schwer und besitzt ein hohes Oberrohr.
Laut den Testdaten eignet sich das Rockrider erst ab einer Körpergrösse von ungefähr 124 Zentimetern. Das Naloo Chameleon 20 kann dagegen bereits ab etwa 105 Zentimetern passen. Obwohl beide Modelle 20-Zoll-Räder besitzen, beträgt der Unterschied bei der empfohlenen Mindestgrösse damit fast 20 Zentimeter.
Das zeigt: Die Angabe «20 Zoll» reicht bei der Auswahl eines Kindervelos nicht aus.
Darauf sollten Eltern beim Kauf eines Kindervelos achten
Nach Einschätzung der TCS-Experten sollte ein gutes 20-Zoll-Kindervelo ungefähr acht Kilogramm wiegen. Je schwerer das Velo ist, desto anstrengender wird es für ein Kind, anzufahren, zu lenken oder das Zweirad über ein Hindernis zu heben.
Besonders wichtig sind ausserdem diese Punkte:
- Das Kind sollte das Velo vor dem Kauf unbedingt ausprobieren
- Das Oberrohr sollte möglichst niedrig sein
- Die Bremshebel müssen für kleine Hände gut erreichbar sein
- Der Abstand der Bremshebel sollte verstellbar sein
- Der leichteste Gang muss auch für Steigungen geeignet sein
- Sattel und Lenker sollten sich an das wachsende Kind anpassen lassen
- Gewicht und Körpergrösse sind aussagekräftiger als die Radgrösse allein
Eltern sollten ein Kindervelo deshalb nicht ausschliesslich online nach Preis, Farbe oder Zollgrösse auswählen. Eine Probefahrt zeigt am zuverlässigsten, ob das Kind sicher auf- und absteigen, die Bremsen bedienen und das Velo selbstständig kontrollieren kann.
Quelle: «Kassensturz» von SRF und TCS, Kindervelo-Test vom 18. August 2026. Die genannten Preise beziehen sich auf den Zeitpunkt des Tests und können sich inzwischen geändert haben.