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Tour de Ski: Ungewisse Zukunft im Münstertal

Mit dem dritten Marschhalt der Tour de Ski über den Jahreswechsel ist für die Münstertaler Organisatoren ein Zyklus zu Ende gegangen. Wird das Premiumprodukt des Langlaufs ins kleine Bündner Hochtal zurückkehren? Die Kardinalfrage muss zeitnah beantwortet werden.
Johannes Kaufmann
01.08.2017, 05:00 Uhr
19.05.2026, 12:10 Uhr

Als eine Handvoll unerschrockener Langlauf-Aktivisten aus dem Münstertal im Sog der kollektiven Begeisterung um Dario Cologna laut über einen Etappenhalt der Tour de Ski in der Heimat des Überraschungssiegers 2009 liebäugelten, wurden sie im engen Tal vielerorts bloss milde belächelt. Doch seit der Premiere 2012/13 gastierte der grosse Langlaufzirkus nun bereits dreimal im dafür eigentlich zu kleinen, peripher gelegenen, bloss von 1500 Personen bewohnten Hochtal. Drei Etappenhalte alternierend mit der Region Lenzerheide waren mit dem Internationalen Skiverband FIS vereinbart. Mit der erstmaligen Ausrichtung des Starts sowie zusätzlich zum Sprint auch eines Distanzwettkampfes wurden bei der dritten Ausgabe über den Jahreswechsel 2016/17 im Zielort Tschierv gar neue Massstäbe gesetzt.

Viel Zeit, um das Erreichte zu geniessen und ein wenig durchzuatmen bleibt indes nicht. «Der Grundsatzentscheid, ob wir uns für eine vierte Auflage interessieren, muss demnächst fallen», mahnt Cla Filip Pitsch, der auf die dritte Auflage hin von Alfred Lingg den Job des Präsidenten des Organisationskomitees übernommen hatte. Die «grosse Kiste» Tour de Ski lässt sich bloss mit einem grosszügigen Vorlauf stemmen. Die Akquirierung von Sponsoren, die Orchestrierung der über den Jahreswechsel heiklen Unterkunftsfrage und die Rekrutierung von Helfern sind nur drei schwierige Felder für Pitsch und seine Mitstreiter.

Die Münstertaler Aktivisten kämpfen auch gegen einen gewissen Gewöhnungseffekt. Bei der stimmungsvollen Premiere war der Stolz der Talbewohner über das Erreichte unübersehbar. Dieses Gefühl liess sich naturgemäss nicht konservieren. Pitsch nennt es so: «Der Beweis, dass wir den Anlass organisieren können, wurde erbracht. Diesen Antrieb gibt es folgerichtig nicht mehr.» In der Tat blieb die Begeisterung der Erstausgabe unerreicht. Ebenso sank – wenn auch auf beachtlichem Niveau – das Zuschauerinteresse.

Entscheid bis Ende September

Der Entscheid, ob und wie es weitergeht, werden Pitsch und seine Mitstreiter vom Organisationskomitee derweil nicht in Eigenregie fällen. Pitsch spielt den Ball weiter zum Gemeindepräsidenten Rico Lamprecht. Und der muss viele Baustellen bearbeiten. Probleme gibt es genug im von Abwanderung und fehlenden Tourismuseinnahmen geprägten Hochtal. Im Rahmen eines «Masterplans 2025» will sich das Münstertal touristisch vollumfänglich hinterfragen und bei Bedarf komplett neu ausrichten. «Ob die Tour de Ski dabei eine Rolle spielt, lässt sich derzeit nicht abschätzen», sagt Lamprecht. Fakt ist, dass die Gemeinde mit einem Beitrag von gegen 200 000 Franken einen unverzichtbaren Anteil an den zuletzt 1,4 Millionen betragenen Etat des Anlasses beisteuert. Lamprecht kündigt bis Ende September einen Grundsatzentscheid an.

Lenzerheide will an Bord bleiben

Die Münstertaler Aktivitäten werden in Lenzerheide genaustens beobachtet. In der Biathlon-Arena Lantsch/Lenz wird über den kommenden Jahreswechsel die Tour de Ski gestartet. Und wie bereits vor zwei Jahren werden die Heidner Organisatoren den Langlauftross zum Tour-Auftakt während dreier Wettkampftage beherbergen. Damit erfüllt auch die Lenzerheide den Vertrag mit der FIS – und denkt nichtsdestotrotz bereits einen Schritt weiter. «Die Tour de Ski ist ein idealer Anlass für uns», sagt Tourismusdirektor Bruno Fläcklin. Er schwärmt vom enormen Werbeeffekt. Dies soll in Zukunft auch so bleiben. Die Lenzerheide hat ihr Interesse für einen Verbleib im Tour-Kalender über das Vertragsende hinaus deponiert. «Wir streben weiterhin einen Zweijahresturnus an», verrät Fläcklin. Die alljährliche Ausrichtung der Tour ist indes auch für das touristische Schwergewicht von der Lenzerheide eine zu grosse Kiste. Der Münstertaler Entscheid ist somit von grosser Tragweite für die Zukunft der Tour de Ski in der Schweiz.

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