Neue Herausforderer für Schneekönige
Vor dem Auftakt zum White-Turf-Meeting herrscht immer eine besondere Spannung bei Aktiven und Zuschauern. Sie rührt daher, dass am ersten Renntag viele Pferde zum ersten Mal über die ungewohnte Unterlage aus Eis und Schnee galoppieren oder traben. Um auf Schnee Erfolg zu haben, braucht ein Pferd physische und mentale Robustheit. Im Rennen stiebt den Vierbeinern nicht nur der aufgewirbelte Schnee um die Nüstern, sondern manchmal sind es sogar von den Hufeisen herausgebrochene Eisklümpchen. Während zimperliche Pferde wenig Lust zeigen, sich unter diesen Bedingungen schnell zu bewegen, blühen andere in der kalten Höhenluft des Engadins auf und wachsen über sich hinaus.
Hauptprobe für den Grossen Preis
Sportlich wichtigster Programmpunkt des ersten Tages ist der um 13.30 Uhr gestartete GP Longines. Das über 1800 Meter führende Flachrennen für Galopper ist die wichtigste Vorbereitungsprüfung für den zwei Wochen später über 2000 Meter führenden 78. Grossen Preis von St. Moritz, dem mit 111'111 Franken dotierten Höhepunkt des ganzen Meetings. Mit dem vom vielfachen Schweizer Champion Miro Weiss trainierten Nimrod und dem Engländer Berrahri unterziehen sich der Erste und der Zweite des letztjährigen Grossen Preises einem Formtest. Neben Fiesta und Zyrjann, die auf Schnee bereits gelaufen sind, treffen sie neu auf die in Dielsdorf vorbereiteten Cornwall Cottag und Daisy Béré sowie auf den Engländer New Agenda, der im Unterschied zu seinen Gegnern dieses Jahr bereits einmal am Ablauf war, in Kempton in der Nähe von London, und deshalb konditionell im Vorteil sein könnte.
Offenes Skikjöring
Viel Spannung verspricht das beim Publikum äusserst beliebte Skikjöring. Usbekia war 2017 und 2018 das dominierende Pferd, das Ski-Fahrerin Valeria Holinger zweimal zum Titel «Königin des Engadins» gezogen hat. Bei einem kürzlichen Start im deutschen Neuss zeigte sich die Stute bereits toll in Schuss, doch zu ihren Gegnern gehören dieses Jahr Pferde, die klassemässig über der Titelverteidigerin stehen. So hat Martina Stadelmanns Schimmel Zambeso in Deauville und Dielsdorf renommierte Steherrennen gewonnen. Partner von Zambeso ist Adrian von Gunten, der vor einigen Jahren mit Mombasa ein erfolgreiches Duo bildete. Auch Jakob Broger, der sich bereits zehnmal zum «König des Engadins» krönen liess, hat in Strade Kirk ein vielversprechendes Zugpferd.
Sechster Schneesieg in Serie?
Als Favorit des Tages antreten dürfte Spike. Der mittlerweile 13-jährige Wallach ist auch auf Gras und Sand zu guten Leistungen fähig, doch so richtig in seinem Element ist er auf Schnee. Fünf Rennen hat er bislang in St. Moritz bestritten und alle hoch überlegen gewonnen. Nachdem er im letzten Herbst verkauft worden ist, hat er das Trainingsquartier gewechselt. Doch sein neuer Besitzer, der über Bündner Wurzeln verfügende Stall Allegra Racing Club, hat reichlich Erfahrung mit den Rennen auf Schnee, so dass alles andere als Spikes sechster Schneesieg in Serie einer grossen Überraschung gleichkäme.
Abgeschlossen wird das Programm, zu dem erstmals auch ein Pony-Galopprennen gehört, durch ein internationales Rennen für Amateurreiter und -reiterinnen, in dem die Schweiz durch Claudia Wendel vertreten sein wird.
Wett-Tipps
Rennen 1
(Trab, 1700 m, 10'000 Franken): Italianec – Célèbre Gédé – Viacus Frazéen – Vaio dei Veltri
Rennen 2 (Flach, 1300 m, 15'000 Franken): Filou – Footprintinthesand – Hakam – Holidayend
Rennen 3 (Credit Suisse GP von Celerina, 2700 m, 15'000 Franken): Usbekia – Zambeso – Strade Kirk – Harry the Eagle
Rennen 4 (GP Longines, Flach, 1800 m, 20'000 Franken): Nimrod – Berrahri – New Agenda – Cornwall Cottage
Rennen 5 (Trab, 1700 m, 15'000 Franken): Spike – Super Berry Chenou – Vasco de Graux – Terry Gahn
Rennen 6 (Flach, 1800 m, 10'000 Franken): Sleeping Giant – Parthenius – Lonessa – Fleur d’Ipanema