Restaurant Tennisclub Lenggis, Rapperswil-Jona: Ein Hoch auf die Einfachheit

Der Nachtisch lässt sich sehen: eine Kugel Vanilleeis mit Beerencoulis und einer Heidelbeere zur Deko. Das Dessert schmeckt so gut, wie es aussieht. Es handelt sich um Bourbon, eine besonders aromatische Vanillesorte, die ursprünglich von der Insel La Réunion (vormals Île Bourbon) im südlichen Indischen Ozean stammt.
Dass wir im Rahmen dieser Kolumne ein feines Dessert bekommen, ist nichts Besonderes. Besonders ist aber der Ort, an dem wir uns befinden. Wir sitzen auf einer Terrasse zwischen Tennisplätzen und Clubhaus. Mitglieder des Tennisclub Lenggis in Rapperswil-Jona haben uns nämlich geraten, hier einzukehren.
Nicht das einzige empfehlenswerte Clubhaus
Ausgezeichnet und preiswert gegessen haben wir übrigens schon in einigen Clubhäusern der Region.
Im Boccia-Club «Pallino» auf dem Grünfeld gibt es Spezialitäten aus Thailand (Restaurant «Baathai Pallino»). Das «TS Green Inn» serviert bei Swiss Golf Bubikon Spezialitäten aus Asien und dem Rest der Welt. Es gibt dort auch ausgezeichnete vegane und vegetarische Gerichte. Und im Tennisclub Rapperswil im Südquartier kocht Eleonora Mirabello gute und günstige mediterrane Gerichte.
Weil uns die Einkehr im Lenggis nicht ganz geheuer ist (um zwölf Uhr mittags sind keine Tische gedeckt), fragen wir den Wirt Claudio Mattia, ob wir etwas zu essen bekommen können. Er sagt, heute gebe es nur Pasta mit Tomatensauce oder Pesto. Und eine Vorspeise? Er könne uns eine Pinsa machen, sagt er. Seine Vorräte seien leider fast aufgebraucht, weil am Wochenende ein Interclub-Turnier stattgefunden habe.
Im Lenggis mit alter italienischer Schule verköstigt
Keine Karte, Bescheidenheit und ein Wirt aus Kalabrien, der kocht und backt, was gerade da ist: Das gefällt uns – zumal wir die einfache mediterrane Küche sehr mögen. Sie werden in dieser Ausgabe von «En Guetä!» keine Preise der einzelnen Gerichte finden. Mattia ist noch von der alten italienischen Schule: Er wird uns am Schluss einfach einen Pauschalpreis verrechnen.
Zum Anfang gibt es ein traditionelles Gericht aus Italien, das sich derzeit nördlich der Alpen schnell verbreitet: Die Pinsa ist die römische Variante der Pizza (Napoli) und der Focaccia (Genua). Claudio Mattia serviert sie mit feinstem Serrano-Schinken und Stracciatella (einer Mischung aus frischen Mozzarella-Fäden und Rahm). Der Teig, den die Römer bis zu drei Tage reifen lassen, ist wunderbar knusprig und aromatisch. Dazu trinken wir einen Sauvignon Blanc aus Kalabrien.
Auch der Hauptgang kommt mit wenigen Zutaten aus: Wir bekommen perfekt al dente gekochte
Cortecce (zu Deutsch: Baumrinde). Ich bekomme sie mit Tomatensauce, meine Begleiterin mit hausgemachtem Pesto. Auch dieses Gericht verdient sehr gute Noten – und wie ich eingangs beschrieben habe, trifft dies auch auf den Nachtisch zu. Bei der Rechnung wartet Mattia mit einer positiven Überraschung auf. Ob er grosszügig zu unseren Gunsten kalkuliert hat oder uns einfach wiedersehen möchte? Wir bezahlen inklusive Trinkgeld nur 35 Franken pro Person.
Gastrotipp Restaurant: Tennisclub Lenggis
Ambiente: Einfaches Clublokal mit Aussicht auf die Tennisplätze. Zum Glück sind während unseres Besuches keine stöhnenden Spieler am Werk.
Service: Unkompliziert und herzlich. Wirt Claudio Mattia kocht, serviert und gibt gerne Auskunft über das Essen und die Getränke. Das Mittagessen kommt rasch auf den Tisch. Auf Bestellung kocht Mattia auch grössere Menüs für Gruppen. Einfach Vorlieben, Budget und Anzahl Personen mitteilen. Sehr empfehlenswert für Feiern mit bescheidenem Budget.
Preis-Leistungs-Verhältnis: Unser Mittagessen ist sehr günstig. Solche Clublokale können für Wirte und Gäste sehr interessant sein. Die Miet- und Personalkosten sind tief, und die Clubmitglieder haben «nur» den Anspruch, etwas Gutes und Günstiges auf dem Teller zu haben.
Adresse: Hombrechtikerstrasse, Rapperswil-Jona.